Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 334
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wir einer vom Kirchenvater Clemens von Alexandrien ange-
deuteten Ableitung folgend, den Namen des Gottes als eins,
der zu trinken giebt, erklärten und nun behaupteten,
daß er von der wohlthatigsten Gabe, die neben den cerealir
schcn Nahrungsmitteln den Urbewohnern Griechenlands vcr-
liehen werden konnte, von der Allmacht, womit er mit sei-
nem Dreizack Quellen hervorruft und Brunnen graben lehrt,
auch seine Benennung Poditan zuerst empfangen habe? *)

andern Sophisten lächerlich zu machen, zugleich aber auch, um den
Heraclitischen Philosophen Kratplus zu widerlegen, welcher behaup-
tete, daß alle Wörter richtige Abdrücke und Gemälde der Dinge
selbst waren. Das Abgeschmackte von dergleichen Behauptungen kann
nur dadurch, ganz ins Klare gestellt werden, wenn man diese Ablei-
tungssucht durch »och gezwungenere Ableitungen überbictet. (Man
könnte dieß jetzt esc bei unfern orientalisircnden Etymologen wieder mit
gutem Nutzen anwendeu.) Dieß hat schon M einer s vortrefflich ge-
zeigt in der Gesch. der Wissenschaften in Griechenland
und Rom II, 7Ü2. ff. Daß cs bei der Ableitung von Poseidon, die
Plato dem Socrates in den Mund legt, offenbar auf diese Ironie
abgesehen sey, erhellet daraus, daß er auch noch eine zweite und dritte
weit gewaltsamere vorschlägt.

*) Wenn Clemens in Protrept. p. 42. D. gegen den Atheismus
der die Materie vergötternden Philosophen spricht, so muß ihm Po-
seidon zum Beispiel dienen. Sie bilden, sagt der Kirchenvater, uns
einen Poseidon, flehen aber das Wasser selbst anbetend an. Ti ydp
isri nporepov lloseib&v, 7) -uypü ns oisia, in rijs noseoos
6vop.aTonoiovp.ivri: also UoSEibSrv so viel als noSiv bibärv,

bwv, Trankgcber. Mit dieser Ableitung einverstanden, sagt Bis-
co nti zum Pio- Clementino T. IV. p. 62. b. I Greci, che lo dis-
ser Hosub&v, ebber riguardo a tutto l’elemento umido, che
somministia a bere a’ viventi. Hermann, nachdem er in
seinen primordiis histoi'iae giaecae p. VI. überhaupt den Canon
festgesetzt hat, daß alle griechische Eigennahmen eigentlich appellative
Bedeutung hatten, hat nun auch dem gemäß in seiner Mythologia
Graecoxum antiquissima p. XVII. dem Namen Poseidon eine rein-
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