Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 359
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fts Gottes von den wenigen, die von ihm überhaupt und
zunächst in dieser Größe bis auf uns gekommen sind. In
der Wildhaut, die ihm zur Chlamys dient, tragt er ver-
schiedene Gartenfrüchte; die Hand ist mit dem Winzcrmes-
scr bewaffnet, die Füße sind mit Halbstiefeln bekleidet.
Die Stellung ist natürlich und edel, der Ausdruck des
Gesichts wohlwollend und milde; die Arbeit und der Charak-
teristik des Ganzen und der einzelnen Formen von einer
sehr geschickten Künstlerhand.

4) 5) Zwei Viktorien, 5 Fuß 7 Zoll hoch, von
feinem griechischen, vielleicht parischcm Marmor; sonst im
Garten von Sanssouci vor dem neuen Palaste, jetzt seit
ihrer Rückkehr von Paris, noch eingefargt, in Monbijou
zu Berlin. Abgebildct von Cavaccppi Raccolta, Vol.
III. tav. 3 und 4.

Zwei vortreffliche und bis auf die fehlenden Flügel,
die vielleicht, wie Winckelmann meint, von Erz gewe-
sen seyn können, auch wegen ihrer Größe sehr merkwür-
dige Bildsäulen dieser Göttin; von gleichem Stil und
gewiß auch von derselben Künstlcrhand; doch scheint die
eine mit fast noch größerer Sorgfalt vollendet zu seyn,
als die andere. In Beiden schwebt die Göttin mit Pal-
menzweig und Kranz in den Händen, senkrecht aber leicht
und anmuthig, auf die Erdkugel herab, die sie eben mit
den Zehen berührt. Das äußerst fein gefaltete Gewand
bauscht sich um die Füße, durch den Rückprall der Luft
von der Erde, beim Nicdersinkcn, in sanften Schwingun-
gen auf. Ueber die aufgeschürzte Tunika gehen schräg
über die Brust zwei kreuzwcis gelegte, breite Riemen über
Schultern und Rücken; auf der Brust sind sic da, wo sic
sich durchkreuzen, durch einen großen Knopf vereinigt. *)

*) Wenn Böttiger in dem trefflichen Aufsatz: lieber die
Siegesgöttin, als Bild und Reichskleinod, zur Erläu-
terung des Titelkupfcrs, die schöne crzne Viktoria im Kasseler Mu-
seum darstellend, zum Aprilhest des 2. Bandes der allg. Litt. Zeit, von
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