Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 384
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einer ähnlichen Messerschaale, aus welcher leider aber die
Schneide schon hcrausgefallen ist. Was Tacitus (Ger-
mania c. 46.) zwar dort zunächst nur von den Fennis
(Finnen) sagt: „sola in sagittis spes, quas inopia
ferri ossibus asperant,“ erhält durch diese Denkmäler
des höchsten Alterthums den hellsten Kommentar und zeigt,
daß auch die näher liegenden Sarmatcn bei gleichem Man-
gel zu den gleichen Ersatzmitteln ihre Zuflucht nahmen.
Nichts ähnliches ist, so viel ich weiß, je sonst irgendwo
entdeckt worden; aus dem natürlichen Grunde, weil in
gewöhnlicher Erde sich die Knochcnmaffe doch endlich zerstört,
hier aber unter dem Torfmoor von der Anwesenheit des zur
Bildung des Torfs nöthigcn bituminösen Stoffes impräg-
nirt und dadurch desto besser gegen die nachtheilige und
zerstörende Einwirkung der feuchten Erde geschützt wurde.
Möchte das Beispiel des patriotischen Verehrers dieser Denk-
mäler doch andere Privatleute veranlassen, ähnliche einzelne
Denkmäler, die sich oft nutzlos, als bloße Kuriositäten,
in ihrem Besitz befinden, der Königl. Sammlung zu über-
lassen, oder zu verehren, damit sie theils dadurch ihrem
oftmaligen Untergänge entrissen werden, theils in Verbin-
dung mit einer größeren, hinlänglichen Zahl zu Kombi-
nationen und Resultaten behülflich seyn können, die oft
manches leere oder dunkle oder halb zerrissene Blatt der
Geschichte der Vorzeit erhellen und ergänzen würden! —
Sollen indessen die Denkmäler dieser Klasse über-
haupt, die in der Regel wenig eigentliches Kunstinteresse,
aber ein um desto größeres historischers haben, und
deren eine Zeit lang mit Unrecht zu sehr vernachlässigtes Stu-
dium wieder mit regem Eifer unter den Deutschen erwacht
und, bei dem höher» Standpunkte historischer Kritik, auch
eine unbefangenere und vorurtheilssreiere Richtung nehmen
kann und wird, für die Aufklärung der Geschichte der frühe-
sten Zeit recht ersprießlich werden; so möchte wohl folgendes
in Absicht auf ihre Aufbewahrung in den Museen dabei noth-
wendig zu beobachten seyn. Zuerst müssen nur solche
Denkmäler ausgenommen werden, deren Fundorte und die
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