Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 390
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der Wissenschaften und Künste Deutschlands und des gebil-
beten Europas sich mit gerechtem Stolze und dankbar erfreuten.
Mit Recht dürfen wir von dem Tage der Eröffnung dieses
antiquarischen Museums (und möchte sein Anbruch nicht fern
mehr seyn!) eine neue und glanzende Periode in den Annalen
der geistigen und besonders der Kunstbildung unseres Volks
erwarten. Denn, was kann lehrreicher und bildender seyn,
als der oft wiederholte Anblick und das gründliche Studium
von Werken menschlicher Kunst, welche die edelsten Kräfte des
Genius erzeugt, gebildet und nachgeahmt, die Religion und
die Geschichte größtcntheils geweiht und geadelt und die Zeit
mit dem ehrwürdigen Stempel einer oft mehr als zwei-
tausendjährigen Existenz bezeichnet hat? Eine neueWclt wird
sich uns in der Mitte dieser so vereinigten, und, wie zu
hoffen steht, auch ohne fremde Vormundschaft, verständig
und zweckmäßig geordneten *) Denkmäler längst vergangener
Zeiten und großer Völker aufschließen. Sie werden die
leeren, oder dunklen Blätter der Geschichte mit ihren leben-
digen Gestalten und ihrer unmittelbaren Gegenwart beleben
und erleuchten; sie werden die Einbildungskraft eben so
sehr beflügeln, das Talent regen und anreizen, als die
Ansichten und Urtheile über Umfang, Vollkommenheit und
Gränzen bildlich künstlerischer Darstellung begründen und
berichtigen; sie werden würdige Muster sorgfältiger Nach-

*) Unter Mitwirkung des König!. Ministcrimns ist das Anord-
nungsgeschäft des Museums von Sr. Majestät dem Könige Herrn
Hofrath Hirt anvertraut worden. Von der umfassenden Künsteinsicht
dieses großen Kenners alter und neuer Kunst dürfen wir mit dem
vollkommensten Zutrauen erwarten, daß seine Anordnung und Aufstel-
lung der Monumente alles berücksichtigen wird, was der Vorthcil der
Wissenschaften und Künste nur immer für sich dabei wünschen und ein
gegebenes Lokale erlauben kann. Das Einmischen Vieler in diese
wichtige Angelegenheit, oder das Verbinden mehrerer Plane zu Ei-
nem, möchte für das Institut, welches der Beachtung des gebildeten
Europa's nicht entgehen kann, eher nachtheilig, als förderlich seyn.—
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