Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: XVII
DOI Seite: 10.11588/diglit.9753#0019
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Vorbericht.

XVII

brochen ist, woraus hervorgeht, daß die jetzt am Urbild
selbst bemerkbare Verlängerung desselben einer später»
Ergänzung zugehört. Uebrigens will es uns, die wir des
Eindrucks entbehren, welche nur die Anschauung des
Urbildes selbst gewähren kann, nicht geziemen, in der
Streitfrage, ob die Richmondische Venus den Vor-
rang vor der mediceischen verdiene, mitzusprechen. Ich
glaubte aber, daß der große Kenner der Antiken, Hof-.
rath Heinrich Meyer in Weimar, darüber sein Ur-
theil abzugeben vollkommen berechtigt sei, und erhielt
von ihm, als ich ihm D. Noehden's Aufsatz mitgetheilt
hatte, folgenden Bescheid r

„Den Torso der Richmondischen Venus habe ich vor
vielen Jahren aus Gypsabgüssen in Rom kennen lernen;
der Marmor war kurz vorher durch Ienkins, welcher ihn
besessen hatte, nach England verkauft worden. Es war
ein herrliches hochschätzbares Werk, und damals war
unter den Künstlern die Meinung ziemlich allgemein ver-
breitet, dieser Torso sei als Kunstwerk der medizeischen
Venus noch vorzuziehen. Ich muß freimüthig gestehen,
daß ich damals noch unerfahren diese Meinung ebenfalls
geheget habe, nun aber solche nicht mehr verfechten
möchte, indem ein entscheidendes und begründetes Ur-
theil Ln dieser Sache nach sorgfältigen mit ruhiger Be-
sonnenheit angestellten Vergleichungen nicht bloß von
Gypsabgüssen, sondern der Marmor selbst möchte
gefällt werden» Es ist nebenher noch zu bemerken, daß
Fragmente immer besser und bei gleichen Verdiensten
vollkommner erscheinen, als ganze Figuren, weßwegen
es leicht möglich ist, daß eben obiges Urtheil der Künst-
ler dem Richmondischen Torso verglichen mit der medi-
ceischen Venus etwas zu günstig war. Demungeachtet
Amalthea III. * *
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