Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: XX
DOI Seite: 10.11588/diglit.9753#0022
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XX

V o r b e r i ch t.

Die Vermuthung, welche Müller bei der Erklä-
rung des Samothrakischen Reliefs (S. 35.) ausspricht,
daß James Millingen dasselbe Monument auch her-
ausgeben werde, ist eingetroffen, * *) kann aber der An-

bekannten alten Reliefs des Dreifußraubes auf den Boden lie-
gende, mit netzförmiger Decke verhüllte hemisphärische Aufsatz. Die
Bedenklichkeit wegen des unbequemen Sitzes auf dem sphärischen
Deckel des Kessels würde, wenn es noch mehrere Beweise bedürfte,
auch durch die Münzen der Seleuciden gehoben werden, die den
nackenden Apoll mit dem Pfeil in der Hand auf der umgewandten
cortina sitzend zeige. Dieß bemerkt auch Jacobs in der Rezension
in der Hall. Lu. Zeitung iZ2l. April n. 100. S. 799. wo auch er
sich gegen Müllers Behauptung erklärt.

*) In der Z. Nummer oder der iten des zweiten Bandes der
anciept unedited monuments (London IZ22.) ist dieß im Pariser
Museum mit großer Beschädigung in die Wand eingelassene Relief
von I. Millingen abgebildet und erläutert worden. Merkwürdig
und nicht ganz übereinstimmend mit Müllers Ansichten ist die Be-
merkung : tlte attitudes are stiff and destitute of grace ; die ex-
tremities sharp and angular; and the drapery is disposed in
small and parallel folds. Beim Stuhl, auf welchem Agamemnon
sitzend den auf dem weggebrochnen Theil des Reliefs gebildeten Ab-
gesandten Audienz ertheilt, erinnert Millingen an die in der De-
scription de i’Egypte oft vorkommenden Königsstühle. Allein da
tritt doch manche wesentliche Verschiedenheit hervor. Viel passender
macht Müller auf die biypovs 6n7iab{af aufmerksam, die selbst
in den Panathenäen eine Rolle spielten und die unbestrittenen Ver-
wandten der römischen Sella curulis sind. Diese passen ins Feld-
lager. Millingen setzt dieß Relief vor die 69. Olympiade. Sehr
bemerkenswerth findet auch er die Akanthusverzierung oben und
die mäandrische Durchflechtung unten am Relief, da ihre Zierlichkeit
sehr mit der rohen Steifheit der Figuren kontrastire. Dieß erin-
nert uns an die ungemein zierliche Laub- und Weinrankenverzie-
rung an der Candelaberbasis im Dresdner Museum, die man oft
als einen Beweis für ein späteres Zeitalter , in welches dieß Denk-
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