Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: XXVI
DOI Seite: 10.11588/diglit.9753#0028
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XXVI

Vorbericht

lustlgung seiner Zuhörer sich bedient. Zwar scheint
Tölken die Sache nur auf Rechnung des Perlegeten
oder Auslegers des berühmten allegorischen Gemäldes
des Apelles von der verleumdeten Unschuld vor den
einfältigen König mit Midasohren zu schreiben. Allein
dieser Gewährsmann ist selbst nur ein Nothbehelf des
fabelnden Lucians und steht gewiß mit den Memoiren
aus dem Hausarchive der macedonischen Könige (vtto-
liVTjjJLcccn Opp. T. III. p. 509. ed. Reitz.), woraus er
das Gespräch zwischen Antipater und Archias über den
Tod des Demosthenes geschöpft haben will, und mit
andern anmuthkgen Mährchen der Art in einer Kate-
gorie. Als Tölken seine Vorlesung hielt, konnte er
von Dahlmann's meisterhaften Untersuchung über
die Glaubwürdigkeit Lucians, zunächst in Beziehung
auf die so lange geglaubte und forterzählte Vorle-
sung Herodots in Olympia, noch nicht in Kenntniß
gesetzt seyn. *) Es hätte daher, um dieß im Vor-

*) S. Forschungen auf dem Gebiete der Geschichte,
von F. C. Dahlmann Uten Bandes iste Abtheilung S. 26-30.
Fast wundre ich mich, daß Tölken so auf halbem Wege stehen blieb
und nicht selbst über die Echtheit des allegorischen Bildes, wie es
dem Apelles zugeschrieben wird, einige Zweifel empfand. Mir hat
oft die Wahrscheinlichkeit, daß Apelles eine Allegorie mit sol-
chen Personifikationen, so gruppirt, so ausgedeutet, gemalt haben
solle, nicht recht einleuchten wollen. Das Ganze erinnert gar zu
sehr an eine ethische Cebesfabel. Ich weiß wohl, daß selbst Raffael
diese Allegorie skizzirte und daß wir sie darnach in kleinen und
großen Kupferstichen besitzen. Aber ist das auch im Geist eines
Meisters, wie wir uns den Apelles denken? Ich zweifle, daß sich
selbst die Wahl des Herakles zwischen Mannsinn und Lust, so wie
sie der Sophist Prpdikus erzählte, auf einem echten alten Denk-
male finde, so viele man auch so ausgedeutet hat.
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