Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 15
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Venus sey. Dieß wird aus einer Vergleichung mit dem
Körper der mediceischen Venus, welcher den Zustand, Mut-
ter gewesen zu seyn, verrathen soll, hergeleitet. Die Muth-
maßung in Ansehung der mediceischen Venus, muß sich auf
die Ansicht der Brust gründen: denn sonst sind doch wohl
keine Kennzeichen an dem Körper zu entdecken, wodurch
jene Meinung gerechtfertigt würde.

Wenn man diese beiden schönen Körper neben einander
betrachtet, so wird der erste Eindruck seyn, daß sie beide
hoher Bewunderung würdig sind. Wie aber das Auge auf
einzelnen Lheilen verweilt, so neigt sich gewiß bei den mei-
sten die Entscheidung zu Gunsten des Torso. Dieser Mei-
nung bin ich völlig, und ob ich gleich nicht so weit gehe,
daß, indem ich dieses Werk erhebe, ich die mediceische Ve-
nus herabsetzen, und sie etwa mit solchen Beiworten als
goffa, oder schwerfällig, wie es Baretti*) gethan
hat, belegen wollte; so nehme ich doch keinen Anstand, dem
Torso den Vorzug zuzuerkennen. Ich hatte Gelegenheit,
gute Abgüsse von beiden Körpern zusammen zu stellen, und
diese gegenwärtige, anschauliche Vergleichung ließ nicht den
geringsten Zweifel bei mir übrig, ob ich gleich vorher, bei
bloßer Erinnerung des Eindruckes, welchen das eine und
das andere Stück abgesondert auf mich gemacht hatte, zu
keinem so bestimmten Urtheile hatte gelangen können. Ich
gab daher dem Cipriani völlig Recht, so wie dessen
Meinung von Baretti * **) dargestellt ist.

Der Richmondische Torso ist nach einem größern Maß-
stabe als die mediceische Venus gearbeitet. Die Verhält-
nisse der letzter» sind, nach meinen Messungen, beinahe

*) a. a. O. which really appears somewhat heavy or goffa
as the Italians term it, when composed by the side of Mr. Lock’s.

** ) a. a. D. In Cipriani’s opinion, and I heard liim say it
several times, this body is more beautiful tban that of the Medi-
cean Venus. It is easily to be remarked that the Medicean exhi-
bits a young- Mother, but Mr. Lock’s a Virgin, and this, I sup-
pose, contributes to give a superiority, in point of beauty, to
this over that —
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