Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 29
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einem Untersatz, der ebenfalls drei kurze Füße hat, *) in
der Mitte desselben ist eine dreieckige Oeffnung, die mit
einem in 12 Lheile getheilten Cirkel umschrieben ist. Eben
so hat der Kessel in seiner Liese eine kreisförmige Oeffnung;
beide waren wohl zur Einfügung einer ehernen Schlange
bestimmt. Der Kessel selbst ist sehr dünn gearbeitet, kaum
von der Dicke eines Pergaments, und daher überaus tönend.
Leider ist dieser ziemlich der einzige aus dem Alterthum er-
haltne Dreifuß von Erz, der sich der älteren Gestalt an-
nähert, und genügt doch wenig um sich einen vollständigen
und genauen Begriff dieses Geräths zu bilden. Indessen
ist er wenigstens darum wichtig, weil er deutlich nicht zum
Gebrauch des gemeinen Lebens, sondern eher zur Zierde
irgend eines Tempels bestimmt war.

Eine wichtige und interessante Frage ist, wie die Alten
die Figuren, deren öfter an Dreifüßen erwähnt werden, mit
denselben combinirten. Wir wissen, daß in der berühmten
Pompa des Ptolemäos Philadelphos ein Delphischer Dreifuß
getragen wurde **) 30 Ellen hoch, auf dem sich goldne
Figuren von fünf Ellen Höhe, und im Kreise herum ein
goldner Kranz aus Weinlaub befand. Manche werden ge-
neigt seyn, diese goldnen Figuren in Basrelief gearbeitet
als emblemata auf den Kessel zu setzen, wodurch sie indeß
auf eine ungeschickte Weise in den Schatten treten würden.
Mir scheint es unzweifelhaft, daß man sie sich zwischen dem
Rande des Kessels und dem Holmos zu denken habe, auf
jenem ruhend, diesen stützend, also als runde Figuren, etwa
von Sphingen oder Greifen oder was sonst für welchen.
Dafür spricht der Dreifuß, der auf dem angeführten Alba-
nischen Relief als Anathem des Herakles Daphnephoros dar-

*) Statt diesen sind an derselben Stelle Köpfe von Bakchantinnen
angebracht. Spon Mise. 11g. n.2. Montfaucon II, 52,3. 53,12.

**) Athen. 5, 202 c. rpixovs /le.\<piH.ds xyj:cav rpiäxovra,
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