Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 32
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Herakles und der Hippokoontiden darstellt. Die Figuren
sind hier sehr unregelmäßig in die Raume zwischen den
Füßen vertheilt, und das Gesetz der bedingten Anordnung
überhaupt wenig beobachtet; das Ganze aber offenbar eine
Uebertragung des sonst in runden Figuren Dargestellten auf
Relief.

Was aber überhaupt diese steinernen Dreifüße anbetrifft,
die in Antiken -Museen nicht ganz selten sind: so gehen sie
uns hier eigentlich wenig an. Denn wenn auch die Form
den altern im allgemeinen nachgeahmt, und oft auch Ein-
zelnes Unwesentliches in dem Ganzen, dem es nun angehört,
ausgenommen ist: so ist doch erstens der Zweck dieser spätem,
Römischen Dreifüße ein ganz andrer und grundverschiedener,
und dann machte der veränderte Stoff, Stein für Metall,
eine ganz andr. Behandlung nöthig. Der Tripus im Vati-
kan war zur Aufnahme von Wasser bestimmt, wie die am
Sockel angebrachten Tritoniden zeigen; es scheint daß er mit
einer Wasserleitung in Verbindung stand. So finden wir öfter
Tripoden angewandt, so daß die stützende Säule, die durch-
aus nöthig war um das steinerne Becken zu tragen, *) zu
einer Röhre, in der das Wasser aufstieg, benutzt wurde,
wie in Hadrians Villa; oder man bestimmte das Becken
blos zum Behälter des von oben aus Löwenköpfen herabspru-
delnden Wassers, als Waschbecken und dergl. **) Am
merkwürdigsten ist durch seine Verzierungen noch der von

*) Jndeß trug auch der choragische Dreifuß des Lysikrates,
wie Stuart an der Bedachung des Monuments in Athen wahrge-
nommen, eine Mittelsäule. — Die rein hypothetische Restauration
dieses Dreifußes von Stuart (Antiq. of Ath. T. I. p. 36.) ist in
dem Werke: Museum Worsleyanum, copirt, und nach Visconti's
Commentar one of the tripods of the choragic monument of Ly-
sicr., als eristirte er wirklich. (So auch bei Moses Vases pl. 75.)
Ein neues Beispiel von Visconti's erstaunenswürdiger Nachlässigkeit.

**) S. Visconti p. 2g. note d. Lg» a.
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