Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 36
DOI Heft: 10.11588/diglit.9753.5
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9753.7
DOI Seite: 10.11588/diglit.9753#0088
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1825/0088
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
gleich sehen werden, schmählich gemißhandelt worden ist. *)
Die Höhe desselben betragt in jetzigem Zustande i Fuß zZoll,
die Breite i F. 4 Z. aber nach links ist es offenbar abge-
brochen, und es folgten mehrere Figuren; nach rechts ist
unmittelbar hinter der letzten Figur eine Verzierung einer
Ionischen Volute nicht ganz unähnlich, und dann schließt
die Tafel mit dem geschuppten Hals und offnen Rachen eines
Unthiers, dessen Hörner nach Dübois sich senkten und in
Spiralen endeten, als einer Eckverzierung, aber diese ist
bei der Einfügung in die Wand abgebrochen und nicht mehr
zu sehn. Eben so ist dabei der obere Rand verloren gegan-
gen , der eine nette Blumenverzierung, wie sie in der Joni-
schen Baukunst mitunter vorkommt, hatte; der untre dage-
gen ist noch erhalten, der mit durcheinander geflochtnen
Bändern verziert ist, wie sie öfter am obern Pfühl der At-
tischen Säulenbase, z. B. am Tempel der Polias zu Athen,
gefunden werden. Diese Verzierungen im Geschmack der
Ionischen Baukunst mögen gleich daran erinnern, daß die
Thrakische Samos eine Colonie der Jonischen war. Auch
muß aus ihnen sich ergeben, zu was für einem Ganzen dies
Basrelief gehörte; doch wagen wir darüber kein entscheiden-
des Urtheil. Auf keinen Fall konnte es ein Theil eines
Tempelfriefes seyn, weit eher das Eckstück eines viereckigen
kuteal. Leider ist das Urtheil darüber nun sehr erschwert
durch das Mangeln so wesentlicher Stücke, von denen ich
nur sehr flüchtig bei Millingen vor der besagten Einfügung
genommne Zeichnungen sah.— Der Figuren aber sind drei,
und diese wenn auch berieben, doch in ihren Umrissen wohl
erhalten. Zuerst zur Linken des Beschauers eine sitzende,
doch fast so groß als die dahinten stehenden. Sie sitzt auf
einem Sessel, wie sie häufig auf den altern Vasengemälden,

*) S- Dubois Catalogue de la Collection de Choiseul Gouff.
n. loß. p. 58. Description des Antiques du Musee Royal conti-
nuee par M. le Comte de Clarac. iß20* n* 60Z. p. 24».
loading ...