Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 37
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(auch auf den ältesten Werken der Italischen Kunst,) *) Vor-
kommen, auf denen sie oft eine eigne verbogne Gestalt haben:
es scheint, daß man sich darunter eine Art Feldstühle zum
Aufschlagen und Zusammenklappen zu denken habe, (5/-
(pgog öxXahiag.) Das Haupthaar dieser Figur hat förm-
lich die Gestalt einer Perücke, indem es vom Hinterkopf
abwärts bis über die Schultern in Horizontale Lockenreihen
gelegt ist; von dem der nachfolgenden Personen unterschei-
det es sich durch größere Lange, die ohne Zweifel eine höhere
Würde bezeichnen soll, wie auf den Persepolitanischen Re-
liefs auch der König sich vor allen Hofleuten durch einen vol-
leren , mächtigem Haarbusch auszeichnete. Die Bekleidung
dieser wie der andern Figuren ist ein Himation, welches, wie
es scheint, auf die gewöhnliche Weise von der linken Schul-
ter aus über den Rücken unter dem rechten Arme durchgezo-
gen, und. dann über die linke Schulter nach hinten gewor-
fen, hernach aber so ausgenommen ist, daß der linke Arm
unten durchkommt. Aber bemerkenswerth ist erstens die
verhaltnißmäßige Kürze und Kleinheit dieser Gewänder, deren
unterer Rand nur eben bis an die Kniee reicht; es scheint
dies althellenische Sitte gewesen zu seyn, daher die Spar-
tiaten sich noch spater solcher Mäntel (ßga%e~ica dvocßo-
Xal) **) bedienten, worin sie die Lakonisten Athens nach-
ahmten. Zweitens bemerke man, wie straff diese Gewänder
an dem Körper angezogen sind, so daß sie fast keine Falten
werfen; auch dies ist diesem Basrelief mit den ältesten Va-
sengemalden gemein. Namentlich findet man in Attika auf
kleinen Gefäßen sehr häufig ein Paar Kämpfender, umgeben
von zwei Kampfwarten oder Herolden, deren Draperie ganz
die bezeichnete Eigenthümlichkeit hat. Die Hände der sitzen-
den Figur kommen in der Zeichnung wiederum mit dieser

*) Z. B. auf den Terracotta - Basreliefs, die zu Velletri tut
Museo Borgia^ S. Bassirilievi Volsci in terracotta dipintiavari cos
lori trovati nella citta di Velletri da M. Carloni. Roma 1785.

**) S. besonders Platon Protagoras S. 342.
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