Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 39
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Rath, lassen wir völlig unbestimmt. Was aber den letzten
der drei Heroen betrifft/ so tritt er hier zuerst auf einem
Kunstwerke in dieser Umgebung auf/ wahrscheinlich nach
dem Vorgänge nachhomerischer Dichter. Denn bei diesen
war Epeios nicht blos Künstler und Verfertiger des hölzer-
nen Pferdes/ sondern auch Diener und Handlanger bei ver-
schiednen Geschäften des Lebens. Bei Stesichoros beklagt
Helena sein mühselig Geschick/ da sie ihn für die Könige
Wasser schöpfen sah; was man im Tempel des Apollon zu
Keos in Bildwerk vorgestellt hatte/ daher Simonides auch
den Esel änigmatisch Epeios nannte. *) Die Arbeit unsers
Basreliefs ist mit jenem sorgsamen Fleiß vollendet/ wie die
Werke der altern Kunst überhaupt; die Zeichnung/ wenn
auch noch ganz ohne Freiheit/ doch nicht ohne Geschick; die
typischen Profile abgerechnet ist Nichts was der Natur
direkt widerspräche und geradezu Mißfallen erregen könnte;
vielmehr herrscht im Ganzen jene Einfalt und Ruhe/ wie in
einigen andern der ältesten griechischen Basreliefs, die erst
' in einer nachfolgenden Periode durch ein übermäßiges Stre-
ben nach lebhafter/ geschwungner Bewegung/ nach deutli-
cher und in die Augen springender Bezeichnung der Muskeln
und Gelenke/ nach Kraft und Ausdruck im Ganzen ver-
drängt worden zu seyn scheint. Dies führt wieder auf
die Behauptung zurück/ von der wir ausgingen: daß das
vorliegende Kunstwerk in Hinsicht des Styls leicht als das
primitiveste angesehn werden kann unter allen derselben Art.
Womit wir aber nichts bestimmtes über die Zeit desselben
ausgesagt haben wollen. Im Gegentheil möchte diese, der
Form der Buchstaben nach, besonders wenn jenes Q, wie
wir auf Dübois Versicherung hier doch wohl glauben müs-
sen / sich wirklich fand, nicht über die Perserkricge hinauft
sieigen. Sondern wir schließen nur, daß es noch damals/
ungeachtet des so hoch gestiegnen Kunstbelriebs, vielleicht
besonders in abgelegnen Orten Werkstätten der Kunst gab,
in denen ohne weitre Prätension — denn von jener absicht-

*) Athen, io, 456. e. 457. a.
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