Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 71
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Ueber die Bearbeitung runder architektonischer For-
men mittelst der Drehbank.

Die Vollendung architektonischer Ausführung 'im Alter-
thum ist schon seit langer Zeit ein Gegenstand so allgemei-
ner Bewunderung gewesen, daß die Archäologen und Ar-
chitekten vielfache Untersuchungen darüber angestellt haben.
Die Vollendung, Schärfe und Gleichmäßigkeit der Formen,
Glieder und Profile, in Gemeinschaft mit der außerordent-
lichen Sorgfalt der Zusammensetzung, welche uns die Mo-
numente des Alterthums zeigen, sind seit der Zeit auch nicht
entfernt wieder erreicht worden, und erst die Gegenwart
zeigt uns einige Beispiele, welche sich in dieser Hinsicht,
wenn auch noch nicht ganz dem Erfolge, doch dem Streben
nach, mit jenen Denkmalen des Alterthums vergleichen
können.

Wohl zeigt uns zwar das Mittelalter große Werke der
Baukunst, in deren Formen eine außerordentliche Werkfer-
tigkeit, und oft auch Schärfe der Bearbeitung wahrgenom-
men wird, allein die Zusammensetzung derselben ist stets
in einem hohen Grade vernachlässiget, woher es denn auch
kommt, daß man in den größten Denkmalen romantischer
Kunst, in Straßburg, Köln u. s. w. fast keine Linie mehr
unverschoben, und überall starke Risse, als deutliche Zei-
chen des Verfalls, findet. Das Ganze dieser Denkmale
kann deshalb nur durch Hülfsmittel, welche der klassischen
Architektur und Technik fremd seyn müssen: durch Eisen-
stangen, Anker, Klammern und Ketten aller Art, so wie
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