Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 72
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durch beständige Reparaturen aufrecht erhalten werden. Im
Gegensätze hievon aber würde fast allen Denkmalen des
klassischen Alterthums/ durch gleichtreffliche Ausführung und
Zusammensetzung, eine fast unbegränzte Erhaltung gesichert
gewesen seyn, wenn nicht Erdbeben und Barbarenhande,
denen nichts widerstehen kann, sie gestürzt hatten. Um nun
aber'in diesem wichtigsten Theile der technischen Wissenschaf-
ten, in Bearbeitung und Construktion, jene Vortrefflichkeit
des Alterthums wieder erreichen zu können, müssen wir
sorgfältig den mechanischen Mitteln nachforschen, welche
man damals anwendete, und wir wollen versuchen, eines
derselben, nämlich die Bearbeitung durch Drehmaschinen,
hier etwas näher zu erläutern.

In der Naturgeschichte des Plinius x) kommt, wo er
von den Labyrinthen spricht, folgende Stelle vor: Lem-
nius similis illis [sc. labyrinthis Aegyptiacis, Creti-
cis et Italicis] columnis tantum centum quinqua-
ginta memorabilior fuit: quarum in officina tur-
bines ita librati pependerunt, ut puero circum-
agente tornarentur. Architecti illum fecere Zmi-
lus et Rholus et Theodorus indigena. Ex-
tantque adhuc reliquiae ejus, cum Cretici,
Italicique nulla vestigia extent.

Ein bewahrter Archaolog, Hofrath Hirt in Berlin, 2)
hat nun jüngst, besonders durch eine andere Stelle des
Plinius, 3) wo von Theodorus ausdrücklich gesagt wird,
daß er das Labyrinth von Samos erbauet hatte, unlaugbar
bewiesen, daß' diese Stelle durch die Abschreiber verfälscht,
und daß statt Lemnius, Samius; statt Zmilus et Rho-
lus et Theodorus indigena aber Smilis, Rhoecus et
Theodorus indigenae gelesen, und mithin jene Stelle
folgendermaßen übersetzt werden müsse:

1) Plinius H. N. XXXVI. 19.

2) Amalthea B. I. p. 263. ff. und Gesch. der Baukunst
I. p. 231. 2Z8.

Z) Plin. II. N. XXXIV. 19,
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