Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 73
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»Das Samische, (Labyrinth) jenen (näml. den Aegyp-
tischen, Kretischen und Italischen) ähnlich zeichnete sich nur
durch hundert und fünfzig Säulen vor ihnen aus, deren
Schäfte in der Werkstatt so im Gleichgewichte hingen, daß
sie durch das Umtreiben eines Knaben gedreht werden konn-
ten; die Architekten dieses Labyrinths waren Smilis, Rhoe-
kus und Theodorus, einheimische Künstler. Es sind von
demselben noch Ueberreste vorhanden, indem von den Kreti-
schen und Italischen nichts mehr übrigbleibt. w

Diese Stelle nun läßt es deutlich wahrnehmen, daß die
wohl ohne allen Zweifel steinernen Säulen des Samischen
Labyrinths, auf einer dazu geeigneten Drehbank bearbeitet
seyn mochten, und dieses ist auch durch Hirt, x) wenn auch
noch nicht auf eine ganz bestimmte Art, geäußert worden.
Eine andere Stelle des Plinius aber, 1 2 3 4) worin er dem Sa-
mier Theodorus die Erfindung der Drehbank zuschreibt,
giebt diesen Vermuthungen noch mehr Festigkeit. Diese
Stelle heißt: normam autem, et libellam et tor-
n 11 m et clavem, Theodorus Samius (invenit.)
Man hat dieses Wort tornus auf das Dreheisen 3) oder
auch auf das Drehrädchen der Steinschneider 4) beziehen
wollen, allein das Zusammentreffen dieses Theodorus, wel-
cher den tornus erfand, und auch die Säulen des Sami-
schen Labyrinths aödrehen ließ, läßt uns schließen, daß
tornus die Drehbank im Allgemeinen, und im Befondern
diejenige bedeutete, welche zur architektonischen Bearbei-
tung gebraucht ward.

Ueber die Anwendung der Drehbank zu diesem Zwecke
aber setzt uns jetzt ein vor uns stehendes Monument des
höheren Griechischen Alterthums außer allem Zweifel, und
bestätiget unläugbar das, was Plinius darüber nur an-

1) Loc. sup. eit.

2) Plin. PI. N. VH. 56.

3) Wie Rode Uebersetzung Vitruvs IX. 1. p. 194., IX. 6. X. i.Z.

4) Wie JVLiUin Diction. d. beaux arts. III. p. 695.
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