Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 74
DOI Heft: 10.11588/diglit.9753.10
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9753.11
DOI Seite: 10.11588/diglit.9753#0129
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1825/0129
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
74

deutete. Es ist dieses ein sehr gut erhaltener, ja fast unver-
sehrter dorischer Knaus, von einer der Säulen des Pro-
naos, aus dem Tempel des Zeus Panhellenios auf der
Insel Aegina genommen, und als Eigenthum Sr. König-
lichen Hoheit des Kronprinzen von Baiern,
jüngst aus Athen in die Glyptothek nach München gebracht.

Dieser Knauf, welcher nebst Abakus und Hals, ( hypo-
trachelium) i Fuß, i Zoll, 4 Linien hoch ist, dessen
Abakus 2' 5n 2111, dessen Hals aber iy 4 " 6yyy im
Durchmesser hat, ist aus einem sehr dichten, ziemlich har-
ten , und beim Daranschlagen hellklingenden Kalksteine, wel-
cher jedoch nicht die Sprödigkeit des Marmors hat, sondern
sich mehr dem unter dem Namen Palombino in Rom be-
kannten dichten Kalksinter nähert. Wir bemerken an diesem
schönen Fragmente die obere Platte, den Abakus, den Echi-
nus mit vierfachen Ringen, und den Hals mit seinem Ab-
lauf, worin 16 Kanelirungen gearbeitet sind, welche in
der Apophysis auslaufen. Die vier Ringe sind in der Art
geformt, daß in paralleler Flache des Echinus ein zwei
Zoll breites, und nur Eine Linie vorfpringendes Band her-
umlauft, worin drei unten rechtwinklich, oben aber nach
einer äußerst sanften Krümmung geformte Einschnitte be-
findlich sind. Es ist kein Dorischer Knauf aus dem Alter-
thume bekannt, worin diese feinen Glieder mit ähnlicher
Zartheit geformt und gearbeitet wären. Der Vorsprung be-
trägt, wie gesagt, nicht über Eine Linie, uud die Flächen
laufen in so stumpfen Winkeln zusammen, daß das Auge
fast Mühe hat, dieselben zu erkennen. Und doch war. dieser
Säulenknauf in bedeutender Entfernung vom Auge, und
noch überdem, als der zweiten Reihe von Säulen, näm-
lich der im Pronaos, angehörig, stets nur im schwachen
Refiexlichte gesehen. Ein Beweis, daß die Griechen weder
durch die größere Entfernung den Grad der Ausführung
ihrer architektonischen Glieder, noch immer nach der mehr
oder weniger Hellen Beleuchtung, welche sie empfingen, die
Größe und Schwerfälligkeit derselben bestimmten. Sie gin-
gen im Gegentheile von dem richtigen Grundsätze aus, daß
loading ...