Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 75
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die Ausführung an allen Orten gleich vollkommen seyn
müsse, und daß dem gebildeten und empfänglichen Auge
auch das zarteste der Form deutlich wird, und zur Wir-
kung des Ganzen beiträgt.

In der Mitte der Fläche des Säulenhalfes ist ein vier-
eckigtes Loch von 3 Zoll 9 Lin. im Quadrat, und 2 Z. 9 L.
Tiefe gearbeitet, in der oberen Fläche des Abakus aber sind
zwey solche Löcher nach einer ganz besondern Art geformt zu
sehen. Sie sind nämlich 4 Z. Z L. lang und 3 Z. 6 L. breit,
in einer Entfernung von 5 Zoll schräg gegeneinander ge-
hauen , begegnen sich also in einer Tiefe von etwa 5 Z. und
lassen einen 3 Z. 6 L. dicken, unten nach einem abgerunde-
ten Winkel zulaufenden Steg zwischen sich. Schon der erste
Blick auf diesen Säulenknauf ließ mich zweifeln, ob es
möglich wäre, die außerordentliche Schärfe und Reinheit,
welche man, wie gesagt, an den runden Gliedern desselben,
am Echinus und den vier Riemchen, welche ihn von dem
Ablaufe des Halses trennen, bemerke, durch die Bearbeitung
mit flachen Eisen aus freyer Hand zu erreichen. Obige
Stellen des Plinius riefen bei mir dann gleich den Gedan-
ken hervor, daß die Bearbeitung dieser zarten Glieder auf
der Drehbank geschehen seyn müsse, und eine nähere Unter-
suchung zeigte mir so deutliche und unleugbare Spuren und
Beweise davon, daß gar kein Zweifel mehr darüber obwal-
ten kann.

Deutlich ist es, daß die beiden obern Löcher, und na-
mentlich der zwischen beiden befindliche Steg, zum Aufheben
des Knaufs gedient haben, und dieses, bis jetzt noch an kei-
nem Denkmale des Alterthums bemerkte Mittel, ist sehr ein-
fach und zweckmäßig, obwohl es einer Zeit angehört, wo
der Mensch noch zu sehr im Besitz seiner ursprünglichen
Kräfte, und in dem Bewußtseyn derselben begriffen war, um
viel über mechanische Mittel und Erleichterung körperlicher
Anstrengungen nachzudenken. Jedoch hätten auch diese obern
Löcher wohl zur Befestigung des Steines aus der Drehbank
dienen können, obwohl es glaublicher ist, daß hiezu vorzugs-
weise die untere, im Säulenhalse eingehauene Oeffnung be-
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