Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 88
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stes Kibir 31) kann man alle mit Recht jenen ägyptischen Kabiren
verknüpfen, und auf Phönikischen Schiffen sehen wir ihre
Bilder und ihren Dienst als schützende Pataken 32) nach
Europa herüber kommen. Schwer möchte es allerdings seyn,
bestimmen zu wollen, ob sich der höhere religiöse und kos-
mische Begriff dieser großen Gottheiten als Planeten, Ele-
mente und Schöpfer der sichtbaren Welt zuerst, und nach
ihm erst die mehr materielle Beziehung von Schmieden,
Bergbauern und Technikern im Allgemeinen gebildet hat,
oder ob im Gegentheile der sich entwickelnde Begriff theur-
gischer und kosmischer Macht, sich der Bezeichnung von ir-
dischen Bildnern als Symbol bediente. Wir sind nicht un-
geneigt das Letzte zu glauben, und obwohl die Meinung
weit von uns entfernt ist, daß alles Höhere erst dem Niedri-
gen, die Erkenntniß, der Glaube und die Idee, erst der
Befriedigung von Noth und Bedürfnissen aller Art gefolgt
sey, so glauben wir doch, daß die Symbolik ihre Zeichen
und Allegorien, erst aus der wirklichen Welt nahm, und ein
solches Anpassen und Potenziren einfacher Lebensbegriffe,
und Beschäftigungen zu höherer Ordnung scheint uns ganz
im Geiste der alten Zeit und Mythe zu liegen.

Der Nähme dieser theurgischen Kabiren mag also immer-
hin als die älteste Bezeichnung jener technischen Stämme
und Vereine gelten, welche in anderen Gegenden der alten,
und besonders vorderasiatischen, thrakischen und altgriechi-
schen Welt, mit anderen Benennungen, aber stets unter dem-
selben Begriffe uns wieder begegnen. Alle heißen sie kunst-
reiche, wohlthätige, aber auch neidische, zauberische und
scheelsüchtige Dämonen 33), und wenn man annehmen darf,
daß dieser Nähme der Kabiren so wie alle die ihm ver-
wandten, ursprünglich aus der Wirklichkeit in das Reich
der Symbolik übergegangen war, so möchte dieser zweifache

Zi) ibid. pag. 314.

32) Herodot. III. 37.

53.) Creuzer T. II. p. 507. in der Note.
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