Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 93
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aber als Erbauer mächtiger Werke der Architektur 5?) und
Plastik 58) entgegentreten. Diese mehrfache Wirksamkeit
aber liefert uns wieder einen Beweist, daß in jenen alten
Zeiten die technischen und artistischen Kenntnisse nicht em
zeln und abgesondert, sondern im engen Verbände und aus
einem Mittelpunkte wirkten, welcher ohne Zweifel jene ge-
schlossenen Vereine waren, die wir nun immer mehr und
mehr aus dem Dunkel der Mythe, und der Sagendäm-
merung, in die Lichtperiode der Geschichte, und in die
Europäische Welt hervortreten sehen werden.

Diese Namen der Daktylen, Telchinen und Kyklopen
aber, verdrängten im Reiche der Mythologie, bald jene Ka-
biren aus dem Kreise der Technik, und sie werden ganz
in das Gebiet der höheren Symbolik und des Geheimdienstes
von Samothrake, Theben rc. zurückgeschoben. Um aber den
Namen, welche ihren Platz einnehmen, der technischen Be-
deutsamkeit nach ordnen zu können, müssen wir auf die
zweifache Art alter Technik, welche wir schon an einem an-
deren Orte 69) berührten, zurückkommen.

Unserer Ansicht nach muß der ganze Umfang architektoni-
scher Werke der ältesten Zeit in zwei Hauptklassen getheilt
werden, insofern sie nämlich der troglodytischen oder der
construktiven Technik angehören. Die erste bediente sich der
Felsen und Steinmaßen, welche die Natur darbot, in der
ganzen Masse, um ihre Werke und Formen daraus und
darin zu bilden, die zweite aber zertheilte die Felsen und
Naturstoffe, um sie zur Zusammensetzung und Construktion
der Gebäude zu benutzen und anzuwenden. Beide Arten
von Technik nun, waren in dem allgemeinen Mutterlande
des Wissens und Könnens, in Indien entstanden. In, um
und auf dem Berge Meru erscheinen dort zuerst die Arche-

5?) Bei Pausanias, Strabo, Diodor etc.

58) Pausanias. Cor. iS.

Z9) Versuch einer Wiederherstellung des Toskanischen Tempels,
pag. 36. ff.
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