Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 94
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typen der troglodytischen sowohl, als construktiven Technik,
der Grotten-Tempel, die älteste Hüttenform, der Kegel als
Ioni, der Obelisk als Lingam, die Säule Samer-Oula,
die Pyramide Righiel- Lunbo und die erste Stadt Brahma-
patram. Beide Arten von Technik aber wurden wie schon
gesagt, durch indische Colonisten durch Asien und Afrika bis
nach Europa verbreitet. Die troglodytische, als die, einem
heißen gebirgigen Lande naturgerechteste, ward besonders für
gottesdienstliche Zwecke angewendet, und erhielt sich fo
lange, bis ihr der Stoff fehlte, oder bis Klima und Sitten
ihren Gebrauch verdrängten. Es ist ohne Zweifel, daß
diese Technik es war, welche von den ältesten Priesterstäm-
men und Colonisten vorzüglich angewendet ward, während
es besonders die Königs - oder Kriegerstämme waren, welche
die construktive Technik zur Sicherung ihrer Niederlassun-
gen und Personen benutzten.

Obwohl es nun nicht mit Sicherheit zu sagen ist, ob
und in welchem Grade hier ein Wechfelgebrauch eintrat,
ob man gleichzeitig Grotten bewohnte, und über der Erde
zusammengesetzte Gebäude zur Gottesverehrung benutzte, so
bleibt es doch ausgemacht, daß der Hauptsache nach, in
der indischen Zeit die troglodytischen Gebäude der Reli-
gion und ihren Vertretern, die construirten aber den Kö-
nigen, den kriegerischen und bürgerlichen Zwecken angehör-
ten. Wenn aber diese Ausscheidung auch in den ältesten
Zeiten streng bestand, so war sie doch in der pelasgisch
hellenischen Zeit nicht mehr streng vorhanden; wohl aber
noch immer erkennbar. Die Ausführung der Werke beider
Art aber, von deren gigantischer Größe noch Trümmern
genug in allen Ländern, welche unter dem Einflüsse helle-
nischer Cultur standen, vorhanden sind, 60) mußte bei
wandernden Völkern, welche keine Sklaverei kannten, 6l)

60) So die Schatzhauser des Mynias und Atreus, die Kata-
bothren von Orchomenos, die Grotten von Drinopolis, Corneto re.

61) Otf. Müller Gesch. Hellen. Stamme I, p. 242.
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