Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 98
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dieses nun, wie wohl unbezweifelt, auch auf die Technik
auszudehnen, so sehen wir wieder die, welche von den lyti-
schen Kyklopen ausgeübt ward, mit dem Höhlenbau der
Kureten am Ida, und dem dadalischen Labyrinthe in Ver-
bindung treten; eine Andeutung, welche durch das weiter
unten Gesagte, ihre Bedeutsamkeit erhalten wird. Der
Name Encheirogastoren, welchen namentlich die sieben oben-
erwähnten, aus Lykien oder Kreta nach Mykene berufe-
nen Kyklopen bekommen, und welcher Leute bezeichnet, die
sich den Leib mit den Händen füllen, d. h. ihren Unterhalt
mit den Händen verdienen, deutet ganz unleugbar auf tech-
nische Arbeiter hin. Nebst den von uns angeführten mytho-
logischen und historischen Nachrichten über sie, erscheinen sie
uns nun aber in mehreren bestimmten Zeugnissen des Alter-
thums, als solche Werkmeister und Werkleute bei architekto-
nischen und plastischen Arbeiten, welche alle, ganz oder
theilweise, der troglodytischen Technik angehören.

Wie schon gesagt, bewohnen sie nach Homer nur Grotten,
welche sie aber durch Anlagen aus Mauerbau vergrößerten
und bewohnbar machten. In der Odyssee 89) wird aus-
drücklich gesagt, daß um die Höhle des Polyphem ein
Mauer - Gehege avXy von eingegrabenen Steinen gebauet
war, welche nebst der eigentlichen Höhle (nreog und dem in-
nersten Raume, crqxög, die ganze Wohnung bildete; und so-
mit nicht undeutlich an die älteste Art troglodytischer An-
lagen, die Grottentempel erinnert. Sie erscheinen uns also
schon hier als solche, welche troglodytische Technik üben,
und diese mit dem Mauerbau verbinden. In dieser Eigen-
schaft nun hatten sie die Labyrinthe und Grotten von
Nauplia in Argolis, welche theils noch erhalten sind, 9°) er-
bauet, und diese wurden deshalb auch Kyklopaen genannt. 91)

89) Odyss. IX, v. igZ. 1Z6. 7tepi b'av'Xi) xnfnj\y bibfirfTo Hu?
TüopvpsEGSi A-i'Soiffi.

90) W. Gell's Argolis pag. 54 und 92.

91) Strabo VIII. p. 369 und 372.
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