Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 101
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IOI

Thrakien zuerst sich festsetzten, 107) wo vielleicht der hochge-
ehrte Stamm der Erbauer, welche Strabo 108) uns nennt,
eins und dasselbe mit ihnen ist. Von dortaus scheint es
nach dem obengesagten, daß sie nach Sicilien, nach Kreta,
Lykien und Griechenland zogen, überall durch ihre Fertig-
keit in troglodytischer Technik sich auszeichnend und ernäh-
rend. Diese positive Wirksamkeit aber ward dann, wie
es wohl immer der Fall war, symbolisirt, und in die Mythen
übergetragen, in deren üppigen Geranke die wahre Bedeu-
tung des Namens, wie so manches andere im Laufe
der Zeit, nach und nach unterging. So ward denn
dieser Name Kyklopen, von Tragikern und Epikern bald
in einem allgemeineren, und über die anfänglich engere Be-
gränzung hinaus reichenden Sinne gebraucht, es erhielt sich
aber der Begriff einer großen und herrlichen Wirksamkeit
derselben , noch bis zu den Zeiten der spatern Dichter. I09)
Aber nicht als troglodytische Techniker allein, sondern
auch als Bildner erscheinen uns die Kyklopen, und Pausa-
nias giebt uns plastische Werke von ihnen mit Bestimmtheit
an. * ll°) Aber der Hauptbegriff, welchen man mit dem
Namen verbinden muß, schließt die bildnerische Plastik ll1)
keinesweges aus. So wie die Daktylen und Telchinen,
übten auch andere alte Techniker dieselben gemeinschaftlich
mit der troglodytifchen Baukunst, und Dädalos, dieser Ko-
ryphäe alter Plastik, baut in Kreta und Agcigent sowohl La-
byrinthe als er Bilder schnitzt. Im Gegentheil war die
Plastik, sowohl im alten Griechenland, als in Aegypten und
Indien, stets mit der Höhlenbaukunst eng verbunden, wie
uns noch zahlreiche Denkmale beweisen.

107) vergl. Dodwell. I. p. 21g.

103) riTiSrui conditores. Strabo VII. p. 296.

109) Scliol. d. Stailus in Tlieb. I. und Seneca Thyest.

III, 407.

110) Pausan. Cor. 20. U. 16.

m) vergl. v. d. Hagen III. p. 329.
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