Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 106
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get sind, anzunehmen, daß dieser rohe Polygonbau der
älteste von allen war, und wie gesagt durch mehrere Stu-
fen zu völlig horizontaler Ordnung übergehend verdrängt
ward, so scheint es doch, daß auch noch nach dieser Epoche
in den Gegenden Griechenlands und Italiens, wo häufige
Erdbeben waren, die alte Polygonconstruktion absichtlich
und besonders zu einfachen Stadtmauern angewendet wurde.
Wenigstens ist es gewiß, daß diese Bauart durch ihre viel-
fach in einander verschränkten Formen und Fugen, den
ungewissen Bewegungen des erschütterten Bodens besser als
irgend eine regelmäßige Bauart, zu widerstehen geeignet ist,
obwohl sie in den meisten Fallen, wo es auf architektonische
Form ankommt, der wagerechten und rechtwinklichen Zu-
sammensetzung nachstehen muß. Aber selbst in diesem letzten
Falle, finden wir sie auch noch in spateren Zeiten zu den
Mauern dorischer und jonischer Gebäude angewendet, wie
der Tempel der Nemesis zu Rhamnus, l25) und der der
Venus in den Garten zu Athen 126) beweisen. Stufen einer
allmäligen, theils durch Oertlichkeit, theils durch Zeit und
vervollkommnete Technik bedingten Ausbildung des Mauer-
baues aber, sind aus den noch übrigen Denkmalen unleug-
bar zu belegen. In den ältesten Denkmalen sind die Steine,
woraus die Mauern bestehen, noch kaum Polygone zu nen-
nen, da sie ganz wie der Felsen sie gab, angewendet sind;
die Mauern des Tumulus im altpelasgischen Hieron zu
Dodona, '-?) hie von Lykosura '23) und dem arka-
dischen Orchomenos l29) von Tirynth '3°) und Pondira
in Thessalien, '3') so wie des italischen Amiternum '32)

125) Tilg unedited Antiq. of Attica Cap. VII. pl. II. l\. 5,

126) Pausan. Att. 19.

127) Pouqueville Voyage dans la Greco I. p. iZ7-

128) Dodweli. Tour. II. p. 595.

129) ibid, II. p. 426.

130) ibid. I. p. 399.

151) Bartholdy im neuen teutsch. Merkur 1305. Jan.

132) Nach Handzeichnungen.
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