Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 113
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§ucian eröffnet seine kleine Schrift von der Verläumdung
oder Angeberei mit folgender Erzählung, die von mir wört-
lich übersetzt ist, wegen eines gleich nachher darzulegenden
Zweckes.

(Lucian. Non temere credendum esse dela-
tioni, cap. 2 — 5, Opp. ed Reitz. tom. III,
pag, 127 — 1Z2.)

„ Apelles, der Ephesier, wurde bei Ptolemäus ange-
geben, als Theilhaber der Verschwörung des Lheodotas zu
Lyrus; obgleich Apelles weder Tyrus jemals gesehen hatte,
noch wußte, wer Theodotas sey, den er kaum hatte nen-
nen hören, als einen der Befehlshaber-des Ptolemäus,
unter dem Phönizien stehe. Allein ein Nebenbuhler in der
Malerei, Namens Antiphilus, hatte aus Neid, wegen
der Ehre, die Apelles beim Könige genoß, und aus Eifer-
sucht wegen feiner Kunst, den Ptolemäus beredet, Apelles
habe Theil genommen an Allem; es habe jemand ihn in
Phönizien bei Lheodotas speisen sehen, und wahrend der
ganzen Mahlzeit habe er heimlich und aufs vertraulichste
mit ihm gesprochen. Kurz er gab an, blos auf Anstiften
des Apelles sey Tyrus abgefallen, und Pelusium besetzt
worden. “

„Ptolemäus, von Natur keines sonderlichen Verstandes
mächtig, und in sklavischer Schmeichelei aufgewachfen,
ergrimmte und wüthete über diese widersinnige Verläum-
dung so sehr, daß keine der nahe liegenden Wahrschein-
lichkeiten ihm in den Sinn kam, weder daß der Angeber
ein Kunstnebenbuhler, noch daß ein Maler durchaus zu
gering sey, um einen solchen Verrath anzulegen, zu dem
ein Mann, dem er große Wohlthaten erzeigt, und vor
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