Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 117
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mit einem Heer den Lacedämoniern zu Hülfe, und durch
ihn wurde Phlius gerettet. IJ) Es wird kern Irrthum
seyn, wenn ich diese Begebenheiten in das Zte Jahr der
lOZten Olympiade, 366 vor Christi Geburt, setze. Da-
mals also war Pamphilus berühmt, und ohne Zweifel auch
schon das Haupt der Sicyonischen Schule; man hätte sonst
diese Gemälde seinem Vorgänger Eupompus aufgetragen.

Zu Sieyon malte Apelles, zusammen mit Melanthius
oder Melanthus und andern Schülern des Pamphilus,
den Tyrannen von Sieyon Aristratus, neben einem von der
Siegsgöttin gelenkten Wagen stehend.11 12) Indem uns Plu-
tarch erzählt, daß Aratus die Gestalt des Gewaltanmaaßers
durch Nealces habe auslöschen, und blos einen Palmbaum
an die Stelle setzen lassen, erfahren wir zugleich, daß Ari-
stratus ein Zeitgenoß Philipps von Maeedonien gewesen sey.
Jene zehn Iünglingsjahre des Apelles fallen sonach in die
Regierung dieses Königs, die mit der lozten Olympiade,
360 Jahre vor Christi Geburt anfing, und vier und zwan-
zig Jahre dauerte. Dies trifft mit dem über Pamphilus
ausgemittelten aufs beste zusammen. Zu sehr bis gegen
das Ende Philipps dürfen wir aber auch die Jugend des
Apelles nicht herabsetzen, denn Philipp selbst war von ihm
in mehreren Gemälden dargestellt. Da nun dieser König
sich nicht viel außer seinen Staaten befand, so muß Apelles
von Sieyon nach Maeedonien gegangen seyn, und eine Reihe
von Jahren sich dort aufgehalten haben.

In dieser Zeit knüpfte sich ohne Zweifel das vertrau-
liche Verhältniß, worin Apelles mit Alexander erscheint.
Noch als König pflegte er den Künstler in seiner Werkstatt
zu besuchen, und wollte blos von ihm gemalt seyn. Er
soll sogar dem Apelles manches freie Wort erlaubt haben,
ungeachtet seines unbändigen Jähzorns; indeß wird Apelles
als höchst behutsam und fein geschildert. Am häufigsten

11) Xenoph. Hist. Graec. 1. VII. c. 2, 11. 19. 22»

12) Plutarch. in Arato, c. 15.
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