Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 118
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erzählt, und in neueren Zeiten auch gemalt und besungen,
findet man die Geschichte, daß Alexander eine schöne Bei-
schläferin, die er nackend von dem Apelles abbilden ließ,
dem liebeskranken Maler überlassen habe. Eine Lhat, wo-
für er weder die Lobpreisungen des PliniusH^) noch den
bittern Tadel Diderots^) verdient. Die Selbstüberwin-
dung, die sie ihm kostete, scheint nicht sehr groß gewesen
zu seyn. Durch Athenaus wissen wir, daß Alexander in
der Liebe sehr kaltsinnig war;l5) und jene Campaspe oder
Pankastelö) die er weggab, war nicht eine fürstliche Frau,
sondern eine Thessalische Hetäre von Larissa. Es bleibt da-
her in dem Vorgänge nichts bewundernswerth, als die
Vertraulichkeit zwischen dem Welteroberer nnd seinem Maler.

Von Macedonien wird dann Apelles nach Ephesus gegan-
gen seyn. Wir finden ihn zwar auch in Rhodus zum Be-
such bei Protogenes, ferner in Cos, und einmal wider
seinen Willen in Alexandrien; Ephesus aber erscheint, als
sein gewöhnlicher Aufenthalt. Wahrscheinlich traf er hier
wieder mit Alexander zusammen, der nach dem Sieg am
Granikus eine geraume Zeit, durch die hartnäckige Gegen-
wehr von Halikarnassus und Milet, in jener Gegend zurück-
gehalten wurde. Manche der von Alexander und Apelles
erzählten Vorfälle mögen immer erst jetzt statt gefunden haben.

Wenigstens befand das berühmteste seiner vielen Ge-
mälde, welche den Alexander darstellen, sich im Dianen-
tempel zu Ephesus. Der König erschien darin mit dem
Blitz in der Hand; und besonders die Kunst der Beleuch-
tung war bewundernswerth. Das Hauptlicht ging aus
von jenem Blitz, und durch gelungene Verkürzung und
Helldunkel schien die Hand, worin Alexander ihn führte,
gleichsam aus der Tafel hervorzureichen. Im übrigen war

iz) II. N. XXXV, 36, 12.

14) In der Beschreibung einer pariser Kunstausstellung.

15) Athen. 1. X. 0.45. x. 92. Schwcigh.

16) Aelian, Var. Hist 1. XII. 0.54*
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