Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 119
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er, als Heros, nackend; und Apelles in der Farbe mehr
der Schönheit, als der Natur gefolgt. Er hatte dem Kö-
nig eine gesättigte, dunkle Farbe gegeben; Alexander aber
war am ganzen Körper ungewöhnlich weiß, nur im Gesicht
und auf der Brust stark roth.17) Apelles erhielt für die-
ses Gemälde 20 Talent, etwa 27,000 preußische Thaler.

Auch nach dem Tod Alexanders finden wir Apelles
noch als Künstler in Thätigkeit. Er malte mehrere der
allmälig der Herrschaft sich anmaaßenden Macedonischen
Feldherrn, den Neoptolemus, Archelaus, Menander, beson-
ders aber mehrmals den Antigonus. Das Bildniß dieses
Königs zu Pferde galt bei Kennern sogar für sein Meister-
stück. Da nun Antigonus in der Nachricht von diesem
Gemälde König genannt wird, so ließe sich daraus folgern,
es sey erst nach dem Seesiege bei Cyprus gemalt, den
Demetrius im zweiten Jahr der iiZten Olympiade erfocht,
und in Folge dessen Antigonus, sein Vater, den Königs-
titel annahm. Sieben Jahr später, im vierten der i iyten
Olympias, 301 vor Christi Geburt, fiel Antigonus in der
Schlacht bei Jpsus.

Dies giebt etwa von der 1 oyten bis zur netten Olym-
piade einen Zeitraum von 52 Jahren, innerhalb dessen die
Kunstblüthe des Apelles nothwendig eingeschlossen seyn muß.
Da nun dies für einen Künstler, dem nirgend ein hohes
Alter beigelegt wird, zu lange scheinet, so darf man vom
Ende dieser Zeit mehrere Jahre wegnehmen. Apelles konnte
den Antigonus sehr wohl noch vor der Annahme des Dia-
dems gemalt haben. Die von Plinius aufbewahrte Bestim-
mung , nach welcher die Blüthe des Apelles in die ii2te
Olympiade gesetzt wurde, beweißt sich daher als sehr genau.

Der Tod fand ihn wahrscheinlich zu Cos. Sein letztes
Gemälde war eine nicht vollendete Venus von höchster
Schönheit, die dort aufbewahrt wurde. Niemand getraute
sich, sie zu beendigen.

17) Plutarch, in vit. Alexandr. c*4*
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