Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 121
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unter den ausgezeichneten Malern des zweiten Ranges an-
führt, und zweier Gemälde von ihm mit Lobe gedenkt.
Antiphilus selbst aber wird den größten Meistern beigezahlt.
Sein eigenthümliches Verdienst, worin keiner ihm gleich kam,
bestand in der Leichtigkeit (facilitate praestantissimus; *8)
ein Ausdruck, der im Lateinischen Gewandheit, Natürlich-
keit, Leben und Anmuth zugleich mit bezeichnet. Beson-
ders glücklich war er in kleinern und in komischen Gemäl-
den. In einer Schola, einem Nebenzimmer, des Por-
ticus der Octavia zu Rom befanden sich von ihm die Bild-
nisse Philipps und Alexanders mit der Minerva. * 19 20) Wollte
man nun behaupten, so berühmte Fürsten hätten sehr gut
selbst mehr als Ein Jahrhundert nach ihrem Tode gemalt
seyn können: so steht diesem entgegen, daß im Porticus des
Philippus, gleichfalls zu Rom, sich von Zjntiphilus ein
Bildniß Alexanders befand, das ihn im Knabenalter dar-
stellte, also nothwendig einen gleichzeitigen Künstler voraus
setzt. Außerdem nennt Quintilian ausdrücklich den Anti-
philus mit unter den sieben großen Meistern der Blüthezeit
der griechischen Malerei, Protogenes, Pamphilus, Melan-
thius, Antiphilus, Theon von Samos, Apeües und Eu-
phranor, die er unter Philipp, Alexander und seine näch-
sten Nachfolger setzt.2I) Auch Theon von Smyrna stellt den
Antiphilus neben Apelles und Protogenes;22 23) und Varro
nennt ihn als Maler, gegenüber dem größten Erzbildner
der Zeit Alexanders, dem Lysippus.

Die Lebenszeit eines Antiphilus wäre sonach festgesetzt.
Für das Vorhandenseyn eines jüngeren zweiten ließe sich der

ig) Quintilian. Inst. orat. 1. XII. c. 10.

19) Schola ist nicht der Porticus selbst, wie Schneider angiebt,
im gr. Lex. 5. v.

20) Plin. H. N. 1- XXXV. c. 37.

21) Quintil. Inst. or. 1. XII, 10.

22) Theon Smyrn. Progymn. c. 1,

23) Varro de lingua Lat. 1. VIII.
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