Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 126
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I2Ö

(exPonto 1. IV. ep. I. v. 29. 50.)

Ut Venus artificis labor est et gloria Coi,

$.equoreo madidas, quae premit imbre comas. *)

Von Schriftstellern Heilt indeß nur Plinius seinen Irr-
Hum, 42) vielleicht sogar durch jene Verse veranlaßt.
Gleichwohl scheint Cos des Apelles letzter Aufenthalt gewesen
zu seyn. Vielleicht zog er, schon alternd, von Ephesus sich
dahin zurück, wegen der Gewaltthatigkeiten des Lysimachus,
der sich viel Mühe gab, in bester Absicht diese Stadt zu
plagen, indem er sie an einen andern Platz verlegte; 43)
vielleicht auch, um in der Obhut des heilenden Gottes den
Tod zu erwarten. Sein letztes unvollendetes Werk befand
sich, wie schon bemerkt, zu Cos; man wollte behaupten,
es sey sein schönstes 44). Wenigstens ein Beweis, daß er
in noch ungeschwachter künstlerischer Kraft aus dem Leben
trat. Die Anadyomene verdarb zu Rom unter der Regie-
rung des Nero, 45) des letzten der von Venus abftammen-
den Iulier.

Den Apelles einen Ephesier und Coer zu nennen, zeigte
sich Veranlassung, selbst wenn er eben so wenig in Ephesus,
als in Cos geboren wäre; ihn einen Kolophonier zu heißen,
konnte man nur veranlaßt seyn, wenn er wirklich von dort

*) cf. de Art. amand. 1. III. V. 401. 402.

Li venerem Cous nunquam pinxisset Apelles,

Mersa sub aequoreis illa lateret aquis.

Andere lesen statt Cous nunquam pinxisset, Cois nusquam
■posuisset. Auf dieselbe Art ließen sich mit Leichtigkeit auch die obi-
gen Verse verändern.

42) Die Lesart im Text des Plinius ist indeß zweifelhaft, und
wie es scheint blos hinein corrigirt.

4Z) 8trabo 1. XIV. c. 1.

44) Plin. 1. 1. et c. 40. sect. 41.

45) Plin. ibid.
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