Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 132
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Ptolemäus, heißt es , nämlich der erste Herrscher dieses
Namens in Aegypten, der Sohn des Lagus, hatte gegen
Apelles einen alten Widerwillen, noch aus den Zeiten ihres
frühem Zusammentreffens im Gefolge Alexanders. Die
Veranlassung wird nicht weiter angegeben. Allein bekannt-
lich fing Ptolemäus seine bewundernswürdige Laufbahn als
gemeiner Doryphorus in der Leibwache des Königs an, um
sie auf einem Throne zu endigen. Bei den Besuchen Ale-
xanders in der Werkstatt des Apelles mochte er oft, als ein
vorzüglich Begünstigter, in der Begleitung des Königs ge-
wesen seyn; und eine geringe Beleidigung konnte dem stol-
zen Künstler für immer die Feindschaft des noch stolzeren
jungen Kriegers zuziehen. Schon herrschte dieser in Aegyp-
ten, als ein Zufall, nach Plinius ein Sturm auf einer
Seereise, den Apelles nach Alexandrien führte. Aus Eifer-
sucht bereiteten nun Kunstnebenbuhler, und unter ihnen
Antiphilus als Hauptanspinner, dem Apelles eine bittere
Kränkung. Ein Lustigmacher im Dienste des Königs (pla-
nus regius) mußte verstellt den Apelles beim Ptolemäus
zur Tafel laden. Apelles erschien, und mit Unwillen
wandte der König, der sein Kommen als persönliche Belei-
digung aufnahm, sich an ihn mit der Frage, wer ihn
gerufen? Zu noch größerer Beschämung mußten alle Hof-
boten hereintreten, um durch ihn selbst den herausfinden
zu lassen, auf dessen Einladung er gekommen zu seyn vor-
gebe. Hierauf ergriff Apelles aus dem Feuerbecken, das
nach antiker und orientalischer Wintersitte, im Zimmer
stand, eine verloschene Kohle, und zeichnete die Gestalt des
Menschen so deutlich an die Wand, daß Ptolemäus gleich
bei den ersten Zügen den Schalk erkannte. Von Belohnun-
gen und Strafen wird nichts hinzugesetzt; und der Ge-
währsmann der Erzählung ist Apion, der ägyptische Gram-
matiker.

Alles hängt hier zusammen, und bleibt im Charakter.
Der Streich des Antiphilus ist zwar boshaft, aber nicht
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