Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 143
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doch noch immer von dieser Ableitung aus dem persischen
Kriege bei nahmhaften Archäologen 7) die Rede seyn konnte.
Wie konnte jemand, der auch nur im zweiten Band von
Stuart's Anticjuities diese herrlich ausgearbeiteten Jung-
frauenstatuen des Pandroseums in Kupferstich gesehen hat,
der ungereimtesten und unstatthaftesten aller Fabeleien, daß
hier von beschimpften, wegen Verraths zur Ausstellung in
Marmorbildern verurtheilten Frauen von Karya im spartani-
schen Gebiete die Rede sei, auch nur auf Augenblicke Glauben
beimessen? Am allerwenigsten paßt dieß auf die 6 Statuen
in der Vorhalle zum Pandroseum. Es sind ja offenbar
dieselben Kanephorengestalten in Haarpuy, Ober- und Un-
tergewand, wie sie auf den Friesen der Cella bei der pana-
thenaischen Procession erscheinen. Diese jungfräulichen Ge-
bilde heißen ja ausdrücklich auf einer Bauinschrift über den
Tempel in der Burg die Mädchen, 6) wobei jeder mit 7 8

7) Lessing in dem kleineren antiquarischen Fragmenten Werke
Th. X. S. 369. Und doch fand Visconti noch in seinen Memoires
sur les ouvrages de sculpture — au Parthenon p. 116. die Vitru-
vische Ueberlieferung nicht ganz unwahrscheinlich. Alles kömmt
darauf an, ob die in Holsteins Anmerkung zum Stephanus de urb.
aus Capacci angeführte Inschrift, die Schneider in der Anmer-
kung zu seinem Vitruv T. II. p. 13. beibringt, acht ist. Denn dann
schiene das Factum wenigstens bewiesen. Auch B lo omfield hat im
Museum Criticum P. VII. p. 400-401. unter der Aufschrift Lome
Remarks on tlie Caryatides of ancient Architecture das Unge-
reimte der Erzählung Vitruvs dargethan, und alles auf die Jpre-
pas Kapväns und die Attitüde der Lakonischen Jungfrauen, die
ihr Fest feierten, bezogen.

8) In dem von Chandler zuerst mitgetheilten, von Wilkin's
in Walpole's Memoirs relating to Asiatic and European Tur-
key p. 585. lin. ß6. (nach dem jetzt im brittischen Museum befind-
lichen Original) verbesserten und erläuterten Kostenanschlag des
Tempels der Polias ist die Rede von Steinplatten; welche über
den Mädchen von oben herunter angebracht waren, ixi r&v
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