Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 150
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lung der ächt athenischen Canephoren mit den spartanischen
Karyatiden von Alters her angefangen hat, und daß alles,

lipygos seyn und besonders über den Hüften alles viel bauschender
und faltenreicher haben wollte. Dieß faltenreichere Obergewand so
von oben herab in üppiger Fülle recht malerischlaufbauschen zu lasten,
hieß mit seinem eigenen Kunstausdruck iyrioußovsSai und der
Bausch selbst iynojißcafia, welches man durch die undeutliche Art,
wie Pollux es mit äiriTropm^a zufammenstellt, für die Benennung
eines eigenen Frauengewandes zu halten geneigt gewesen ist, (weil
es allerdings seiner Ableitung von noußos, (Knauf, Wulst) nach
auch für das zusammengewickelte Mäntelchen des Sclaven und Hir-
ten, wie bei Longus II. x. 59, 3 gebraucht wurde). Die ganze
Sache wird durch -ein Fragment aus einer Comödie des Apollodor
bei Suidaö 1. I. p. 670. Küst. so deutlich als möglich, wo ein
putzsüchtiges Mädchen erzählt:

— ri/v inctifiiba.

IIr{)i.aGa bnc'Xijv avooSev ivirxO]xß<jü<scijj.r)V.
sobald man nur avooSev zuifT-uLaFw und nicht zu ivErxOfißcaSäp.i]V
bezieht. Darüber ist bereits in jener Anmerkung zu Tischbeins Va-
sengemalden ausführlich von mir gesprochen worden, der ich jetzt
nur noch hinzufüge, daß alles, was Winckelmann in seiner
Geschichte der Kunst (Werke Th. V. S. 75 f.) von Ricinium
sagt, hierher gehört. Wenden wir dieß auf unsere Statuen im
Pandroseum an, so muß dabei der Gesichtspunct nicht aus dem
Auge gelastcn werden, daß wir hier nicht gewöhnliche Canephoren,
junge attische Mädchen im Fcstgepränge der Panathenäen, sondern
die hochgeschmückten Matronen selbst erblicken, die gleichsam in
Procession aus dem Erechlheum oder dem Tempel der ehrwürdigen
Polias vortretend hier stehen geblieben sind. Dieß hat der fein-
sinnige Legrand in seiner Erklärung zu der von ihm veranstalte-
ten Galerie antique, I. Division. Monumens de la Grece Livr.
V. p. 76. zu pl. 30-34. sehr richtig aufgefaßt: Quoique ces figu-
res aient, au dessus de leur tete, un chapiteau dorique et non
Ia corbeilie des canephores, eiles n’ont point l’air des captives
liumiiiees, corarae on dir des carpatides, mais on peut voir eu
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