Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 153
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Späterer Nachtrag zu obigem Aufsatze.

Da dieser Aufsatz über die Karyatiden schon vor mehreren
Monaten für den dritten Theil der Amalthea niedergeschrie-
ben wurde: so hat der heutige Tag, welcher den gestrigen
belehrt, indeß von mehreren Seiten her Stoff zu weitern
Ergänzungen und Erläuterungen herbeigeführt. Es sei ge-
stattet, dieß hier noch anzufügen.

Director Meineke in Danzig hat in seinen Bemerkun-
gen über ein Bruchstück des Euphorion beim Stephanus
von Byzanz, *) worin der mit Haarflechten geschmückten
Dymänerinnen Erwähnung geschieht, durch eine witzige Zu-
sammenstellung und Verbesserung einer Glosse des Hesychius
es sehr wahrscheinlich gemacht, daß die Dymänen mit den
Tänzerinnen von Karyä in Lakonien völlig einerlei seyn könn-
ten. Bei dieser Veranlassung erhebt auch er die vollwich-
tigsten Zweifel gegen den allgemein angenommenen Sprach-
gebrauch , die berühmten Canephoren am Pandroseum in
der Akropolis Caryatiden zu nennen, mit der feinen Bemer-
kung, daß die ganze Tracht und Gestaltung dieser unver-
gleichlichen weiblichen Figuren ganz dem attischen, aber
durchaus nicht dem dorischen Costüme entsprechen. Ich freue
mich dieses Zusammentreffens mit einem unserer gelehrtesten und
geistreichsten Philologen und Alterthumsforscher. Ganz er-
wiesen hingegen scheint es mir noch nicht zu seyn, daß das
ycagvari^eiv, das Karyatischtanzen, ein sehr heftiger, den
Bewegungen der Bacchantinnen oder Mänaden ähnlicher
Tanz gewesen sei, welches nun auch im Einverständniß mit
Meineken, Ottfried Müller an einigen Stellen seines

O ‘Pi'Ä.oTc'Xotid/jioiai /Jvfiaivais, heißt das Fragment- S.
Euphorionis Vita et Fragmenta, collegit A. Meinecke (Gedani
rZLZ-) fragm. XLII. p, 93-99.
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