Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 156
DOI Heft: 10.11588/diglit.9753.15
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9753.16
DOI Seite: 10.11588/diglit.9753#0211
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1825/0211
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
156

persischen Halle zu Sparta (die jetzt in den wiederherge-
stellten Giganten in den Ruinen des Iupitertempels zu Gir-
genti so unvermuthete Traggefährten finden) 7 8) durchaus ein
weibliches Gegenstück aufstellen. Nun war wirklich in
der 10Z. Olympiade in Folge der durch den peloponnesi-
schen Krieg genährten Verbitterung Karyä von den rachsüch-
tigen Spartanern, wie wir aus Xenephon wissen, 8) wegen
seines Abfalls zu den Thebanern durch den Archidamos mit
Mann und Maus vertilgt worden. Was macht sich aber
der fabelnde Grieche aus einem Anachronismus von zwanzig
Olympiaden? Herodot hatte ja von einigen arcadischen
Ueberlaufern zum Heere des Lerxes gesprochen. Mehr be-
durfte es nicht, um für die persischen Gebalketrager nun
auch arcadisch - spartanische Gebälketrägerinnen aus dersel-
ben Zeit herauszuklügeln, und da kam der Tanz der karya-
tischen Jungfrauen, die wirklich etwas, war es auch nur
ein Kalathus der Diana, mit Kopf und Hand unterstützten,
wie gerufen, aber nun mußten auch die Canephoren am
Pandroseum, die doch eigentlich nur als Schaft der Säu-
len gedacht werden müssen, wovon wir das Kapital noch
über den Kopf hervorgehend sehen, Canephoren heißen, und
die Verwechslung wurde durch den unkritischen Vitruv nun
auf alle Folgezeit fortgepfianzt.

Daß nun aber nicht Vitruv der Erfinder dieser Fabel,
daß sie älter und schon unter den Griechen in Unteritalien

7) Man vergleiche indeß, bis uns Herr von Klenze seine
neueste, auf den sorgfältigsten Untersuchungen in Agrigcnt gegrün-
deten Zusätze zu seiner Vorlesung über den Tempel des Iupiters
zu Agrigentum gegeben haben wird, Hittroffs Brief in den
Kunstblättern von 1324. n. 23., wo sogar die Muthmaßung
anklingt, daß zwischen jedem Giganten eine colossale Karyatide ge-
standen habe.

8) Hellen. VII, 1. 2g. p. gr6. Schneid, vergl. VI, Z. 2Z. Auch
Morus nimmt dort noch ein doppeltes Karyä an, obgleich jetzt er-
wiesen ist, daß es nur Eine Stadt des Namens gab, womit aber
Las arcadische Kaphya oft verwechselt wurde.
loading ...