Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 159
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Daß der Verfasser dieser Inschrift mit der Legende, die
Vitruv uns erzählt, vollkommen bekannt und einverstanden
gewesen, leidet keinen Zweifel. Allein der belesene neapo-
litanische Weltpriester, der darüber in sieben Kapiteln des
zu sagenden und zu übergehenden (dicenda tacendaque)
genug in dieser dem König Ferdinand zugeeigneten Huldi-
gungsschrift zusammen gepackt hatte, übersah, daß die
ganze Inschrift sehr verdächtig und wo nicht, was uns das
wahrscheinlichste dünkt, auf die weit ältere Tafel erst spä-
ter eingegraben, doch gewiß nach jener Zeit entstanden ist,
wo durch die Rache, welche in der iszten Olympiade die
Spartaner an der abtrünnigen Stadt Karyä nahmen, die
in ganz Griechenland bekannte Thatsache mit den mannich-
faltigsten Rhetoricationen, die schon damals an die unsterb-
lichen Kämpfe bei Thermopylä, Salamis und Platäa ge-
knüpft wurden, und die Masse von dem, quidcjuid Grae-
cia rnendax audet in historia, gewaltig anzuschwellen
anfing. Was in der Composition des Bildwerkes selbst am
meisten auffällt, ist die Thyrsusarabeske über dem Kopf
der mittelsten, sitzenden Figur, die uns an so manche archi-

Infchriften eingegraben wurden, führt schon der wackre Sammler
Maffei in der Critica lapidaria in Menge an, ob er gleich selbst im
Museo Veronensi unkritisch genug verfuhr. Monaldini konnte
es in seiner Istituzione III, 7. p. 4g9 ff. nur mit lateinischen Pseu*
depigraphis zu thun haken. Es fehlen uns neue literae epigra-
phicae, wie sie der gelehrte Hagenbuch in Aürch zwischen 1744.
1747 an Bouhier und Gori über Muratori's Thesaurus schrieb.
Doch dürfen wir in den Prolegomenen, von Böckh dem mit Sehn-
sucht erwarteten Corpus Inscriptionum Graecarum, das von der
Berliner Akademie ausgeht, vorausgeschickt, wohl auch darüber
Belehrung erwarten. In vorliegender Inschrift ist gleich 7-fi EX-
Tidbi in dieser Wortfügung und Allgemeinheit sehr verdächtig.
Doch man müßte die Marmortafel selbst untersuchen und Nachsehen
können, ob sich nicht in der Inschrift Spuren späterer Eingrabung
fänden.
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