Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 171
DOI Heft: 10.11588/diglit.9753.15
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9753.17
DOI Seite: 10.11588/diglit.9753#0227
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1825/0227
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
I7i

worden, aber darum keinesweges für die Gräber gearbeitet.
Man gab sie nur den Verstorbenen mit; und die willigen
Dienerinnen und Lichtspenderinnen im Speise- und Schlaf-
gemache wurden auch die Begleiterinnen des Aschenkruges
in den Grabgrotten und Hypogaen. Die alles sinnreich
gestaltende und jede Fläche mit Bildwerken en relief aus-
schmückende Phantasie der Griechen fand und benutzte hier
ein weites Feld für das, was wir das Epigramm der bil-
denden Kunst nennen möchten, für Bilderfpiel im kleinern
Raum. Die Thonbildner, welche die wohlfeilen Lämpchen
in Terra cotta zu Laufenden fabricirten, entlehnten un-
streitig von den schon damals in zahlloser Menge verbreite-
ten Pasten der geschnittenen Steine die zierlichsten Ideen,
welche die Glyptik oder Steinfchneidekunst dort ein- und
hervorzugraben wußte (in Intaglios und Cameen) und
formten sie auf der oberen Fläche des Bauches der länglich-
runden Lampen (1a euve), wo wir stets die Oeffnung zum
Eingießen des Oels angebracht finden. Man kann also diese
Lucerne figurate, wie sie die Italianer nennen, mit
vollem Rechte als den zweiten Theil, oder doch als einen
Anhang zu den sinnreichsten Vorstellungen auf geschnittenen
Steinen anfehen. Aber auch abgesehen von diesen zierlichen
Gemmenbildern auf Lampen ist ihre ganze Form oft so ge-
fällig und anmuthig, daß für die geschmackvollsten Luxus-
artikel in unserm Hausrath die vielseitigste Anwendbarkeit
daraus hervorgehen könnte. 6)

6) Es sieht ein Schreibezeug vor mir in Wedgewood - Torev-
tika, das mir ein Freund aus London mitbrachte/ welches ganz
nach einer antiken bronzenen Lampe geformt wurde. Die sechs Oeff-
nungcn im inneren Kreis dienen als Federhalter, in der Mitte ist
statt des Oeltrichrerö (infundibulum} ein Dintenfaßchen eingesteckt.
Im Schnabel für den Hauptdocht der Lampe ist die Vorrichtung
zum Aufstellen eines Wachslichtes angebracht. Eine Geburtötags-
lampe, die unser Hofjuwelier Roßbach im Jahre 1809 nach meiner
Angabe für den ehrwürdigen D. Reinhard verfertigte, ist mit
loading ...