Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 172
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Die Lampe, von welcher hier allein die Rede seyn kann,
ist, wie der erste Blick auf die beiliegende Kupfertafel n. A.
zeigt, eine Zimmerlampe für den Privatgebrauch. Man
muß sich denken, daß sie auf die Platte eines Lampadaire
oder Lampenhalters 7) gestellt entweder in einem Schlafge-
mach oder an einem Studierbette ihre Dienste leistete, also
auf jedem Fall eine treue Kammerdienerin (cubicularia)
war, worüber die griechischen und römischen Dichter so
manches vertrauliche und scherzhafte Wort der regesten Le-
benslust uns eingeflistert haben. 8) Es ist Grundsatz der
antiken Kunst, das Gemeinnützliche dem beengenden Kreise
des Bedürfnisses zu entnehmen und durch veredelndere Ge-
staltung zu einem wahren Kunstwerke zu steigern. So tritt
auch in vorliegendem Falle die Lampe als ein bloßes Nutz-
geräth völlig zurück. Sie wird zu einem alten, aber noch
immer muskelfesten Glatzkopf mit vorragender Stirn und
üufgestülpter Nase, mit einem Worte zu jenem stets dursti-

einem als Rohrstab gebildeten Kandelaber (beides in Bronze) auf
Bestellung auch jetzt bei ihm zu haben. Im Jahre 1302 wurde der
Jahrgang des Modejournals mit einer alten römischen Neujahrs-
lampe eröffnet.

7) Man unterscheide ’Xvy.vos, die Lampe selbst, die man wohl
auch in gemeiner Rede STi'Ä.ßi] hieß das Flimmerchen, und Kvjcviu
(auch \vj.viov') den Lampenträger gemeiner Art, 'Kvjvovpos den
geschmückteren. Auf jeder kleinen Maschine der Art befand sich oben
eine runde Platte, ein Tellerchen zum Aufstellen der Lampe, welches
Ttivtxmov oder xivanismov genennt wurde. S. Pollux VI, 103.
X. 115.

8) Wir haben allein in der griechischen Anthologie sechs Sinn-
gedichte auf Votivlampen, wovon Jacobs einige in den Tempe
übersetzte, und noch vollendeter in Leben und Kunst der Alten
i. B. 2. Abtheilung S. 89- und 92. wiedergab. Bekannt sind die
niesenden Lampen und die Art, sie durch Anspritzen von Wein
zum Niesen (prasselnden Aufflackern) zu bringen. Man sehe den
jünger» Burma»n zu Properz p. 762.
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