Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 173
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gen, stets bezechten Gefährten und Pflegevater des Bacchus,
zu einem leibhaften Silen. Er ruht aus oder hat sich viel-
mehr niedergekauert und hält nun die zwischen seinen Schen-
keln hervortretende Lampe mit Händen und Füßen fest um-
klammert. Sein halbgeöffneter, lechzender Mund ruht auf
der Oeffnung in der Mitte der Lampe, wo man das Oel
eingießt. Wie er sich abarbeitet7 wie er sich's angelegen
seyn läßt! Dem verdrüßlichsten Murrkopf, dem scheltenden
Timon, dem ernsten Cato müßte der sich so abmühende Trun-
kenbold ein Lächeln auf die Lippen bringen.

Aber was hat denn nun dieser alte Zecher mit der Oel-
Lampe zu thun? Will er vielleicht, wie jene Ratten oder
Mäuse, die wir als verrufene Oel-Näscher scherzhaft auf
mehreren alten Leuchtern und Lampen dem Oel nachstellen
sehen, 9) das Oel ausschlürfen? Warum nicht? Wissen
wir doch, daß besonders in Italien und Spanien, wo das
Oel überall die Stelle der Butter vertritt, ausgelernte Trin-
ker, wenn sie berauscht sind, durch einen Schluck Oel die
Dünste des Rausches niederzuschlagen suchen. Allein mein
antiquarisches Gewissen gestattet mir nicht, mich mit dieser
Erklärung zu begnügen. Um sie ganz befriedigend zu ge-
ben , müssen erst einige Mittelglieder dazu gefunden werden.
Silens unzertrennlicher Gefährte ist der gefüllte Weinschlauch.
Und den läßt der Alte, wenn er einmal angezapft ist, tüch-
tig auslaufen. Diese Idee ergriff die Plastik der Alten.
Bacchus selbst vermahlte sich ja im ganzen Alterthum mit
den Brunnennymphen (d. h. man trank den Wein nur mit
Wasser gemischt). So riefen auch die bildenden Künstler,

9) Verklagt nicht schon Pallas im Frosch mauöler V. 177 ff.
beim Zevs die ruchlosen Mause, die ihr das Oel aus den Tempel-
Lampen wegsaufen? Und so sehen wir auf einer bronzenen Lampe
aus dem Herculano in den Lucerne tav. XLIX. und einer anderen,
die in Nismes gefunden wurde, bei Millin IVIonurnens inoäirs.
1. II. pl. 22. die Nüscherinnen, die an der Lampendille nach dem
Oele züngeln.
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