Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 176
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die stufenweise Fortbildung des Silenus mit dem Schlauch,
zum Silenus, der die geschnabelte Lampe zwischen den Füßen
hat, außer allen Zweifel. So hat im bildenden Alterthum
jede Idee, in Bildwerken ausgeprägt, ihren Stammbaum!
— Am Ende ist's nur ein Scherz, den sich Bacchus in
einer muthwilligen Laune mit dem alten Zecher erlaubte.
So dachte man sich die Sache wenigstens in beifolgendem
Klinggedicht.

Oel oder Wein, das ist's, wornach wir fragen.

Soll ich Minerven, soll ich Bacchus stehn?

Sagt selbst, warum der Glatzkopf hier, Silen,

Die Lampe so umklammert mit Behagen?

Soll ich die Lösung dieses Nathsels wagen?

Das Maas ist voll! Er kann nicht gehn noch stehn,
Kann selbst den Schlauch, den er umarmt, nicht sehn,

Drum hat er Hand und Fuß um ihn geschlagen.

Doch Bacchus winkt! welch Wunder! aus dem Schlauche
Wird eine Lampe, damit anzuzeigen.

Daß der Berauschte jetzt die Lampe brauche.

Willst Du, Gott Bacchus, hold Dich zu uns neigen.

Gieß Wein, das Lebensöl, in unser» Becher.

Die Lamp' im Kopf löscht nie der kluge Zecher.

Dieß ist noch zu mühsam. Nun kommt noch eine Verkürzung dieser
Abkürzung. Derselbe Silenuökopf, der in Tassie's Catalogue
of Gems n. 4457 ff. auf geschnittenen Steinen so häufig vorkommt,
erscheint nun auch als bloße Maske auf hundert Lampen von ge-
brannter Erde.
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