Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 179
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denke dabei ja nicht an einen Napf zum Trinken. Denn
dann mußte er durchaus etwas von einem Henkel haben. *9)

gleich auf diese thönernen, vorher mit Wachs ausgestrichenen (das
hieß imbuere) Gefäße übergegossen, und in kühlen Erdgeschossen
nach der verschiedenen Güle des Weins entweder eingegraben (dolia
demersa) oder in kleinen Zwischenräumen neben einander ausge-
stellt, nachdem die obere Mündung geschloffen und verpicht oder
mit Gyps oder Rebholzasche bedeckt worden war. Dieser Aufbe-
wahrungsort oivo&t/Mj, war der olnos tov oivov vitob^jpofx^vos
(das ointjfia beim Tenophon Oecon. IX, Z.) der römische cella
vinaria. Dieß alles wird deutlich, wenn man die Geoponiker VI, 2.
p. 42S ff* mit Niklas Anmerkungen und den Columella XII, i8.
mit den Anmerkungen I- M. Geßners vergleicht. Schneider in
den Leriptt. Hei Knsr. T. II. P. II. p. 624. f. hat cortex, woher
das deutsche Kork, (S. Beckmanns Ge sch. der Er f. 11,482.
V, Z02.) und aus Mariti und Febroni diesen in Cypern und mehreren
Theilen Italiens auch setzt noch fortdauernden Gebrauch gelehrt
erläutert. Nach einer gewiffen Zeit wurde nun der in diesen Ge-
fäßen erst abgeklärte Wein auf Henkelkrüge, GTäfivia, amplioras
abgezogen (diffundebatur, nicht, wie so oft irrig geschrieben, de-
fundebatur}. Hier in den amphoris oder cadis (dem alten phö-
nizischen Worte) wurden sie erst recht hermetisch mit einem Deckel
(L7oiSk/rLl) aus der Korkeiche, snber, geschloffen und je nachdem es
die Weinsorte foderte, zur Räucherung in der Weinkammer (apo-
theca, im obern Geschoß, vergl. die noch sehr verdorbene Haupt-
stelle im Galen de antidotis I, 9. P. II. p. 426.) eingesetzt. Denn
wo der Wein nur bis zum Abziehn auf solches thönerneö Gefäß
gebracht worden war, konnte er um des Aufstoßens willen wohl
nie ganz so fest verschloffen gehalten werden. Dieß geht aus dem
Excerpt des Anatolius in den Geoponikern VI, 3. p* 455. wo von
ävaZsiv und axoTZTve.iv des in den doliis bewahrten Mosis die
Rede ist, ganz deutlich hervor. Noch immer ist in der sehr ver-
schiedenartigen Most - und Weinpflege des Alkerthums vieles dunkel,
und in Italien selbst, wie aus einigen neuerlich in der biblioteea
Italiana aufgenommenen Aufsätzen erhellet, so unklar, als bei uns.
Auch in Henderson's Histor^ ok ancient and modern wines.
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