Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 180
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Es charakterisier gerade der Umstand, daß er das ganze
Faßchen so vor sich stehen hat, den Umfang der hier ver-
sinnlichten Trinklust, um so mehr, als man es sonst für
unanständig oder als Zeichen eines armen Schluckers hielt,
den Wein gleich aus dem Gefäß, in welchem er noch als
Most aufgeschüttet worden war, so von der Hand weg zu
trinken. * 19 20) Da der Deckel weggenommen ist: so ist auch wohl
schon ausgetrunken, damit aber auch zugleich die hintere
Oeffnung für die Lampe gewonnen. Die über den Kopf
und die Schulter gezogene Löwenhaut (wenn es nicht über-
haupt nur als bacchische Figur beurtheilt werden soll,
wie etwa der Satyr mit der Silenusmaske, der auf einer
Löwenhaut schläft, in Sir John Coghill's Sammlung von
Millingen pl. 50) deutet offenbar auf ein vorhergegangenes
Bacchanal, oderauf eineNachtfchwärmerei in Gesellschaft des

London 1824. in 4» 4°8 S. finden sich S. 45 ff. nur die bekannte-
sten Dinge ohne alle Kritik.

19) Also wird es ein cantharus, Napf mit einem Henkel, nappo,
tazza nennt es der Italiener, oder scyphus mit zwei Henkeln, wie in
dem coloffalen Fragment des trinkenden Hercules in Zoega's Bas-
sirilievi pl. LXIX. seyn. Uebrigens zog man es überall vor, keine
allzugroße Dolia zum Aufbewahren des bessern Weines zu brauchen.
Leiert figura, sagt Plinius XIV, 21. ventricosa dolia ac patula
minus utilia. Ein dolium von so mäßigem Umfang mit darauf
gemalten Figuren besitzt das Augusteum in Dresden. Dagegen
konnten die Oelgefaße nicht groß genug seyn.

20) Auch Ulpian unterscheidet das schlechtere vinum dolia™
von dem besseren vino amphorario 1. 17. jt. de aotionibus emti et
venditi, oder Digg. XVIII, 6. leg. 6. mit Geoffroy's Anmerkungen.
Dergl. Cujaciuü Obs. 11,36. Das liaurire de dolio war also
nur bei solchen gewöhnlich, die vorlieb nehmen mußten, wie auch
aus Cicero's vrat. e. 33. erhellet, oder die ihr Brod vom Becker-
laden, ihren Wein von der Schenkwirthin (de pi-opola et cupa.
S. ©rat», zu Cicero in Bison, e. 27.) nahmen. Alles hieher gehörige
sammelte schon der gelehrte Abramius zu Cicero II. Philipp. 27.
p. 535. Graev.
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