Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 183
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erhöheter Potenz in Silber nachzubilden. Sie ist vortreff-
lich gerathen und ein neuer Beweis, wie durch jene Muster-
bilder aus dem Alterthum, (wie sie unter dem kunstlieben-
den Staatsminister Grafen Bülow jetzt in einer kostbaren
Kupferstichsammlung den Kunstbestrebungen in der preußi-
schen Monarchie vorgehalten werden) auch noch jetzt die
Kunst belebt und genährt werden könne. fl4)

Zusatz.

Die ganze Silenusmythe ist gewissermaßen centaurischer
Natur und aus zwei sehr ungleichartigen Theilen zusammen-
gesetzt, halb menschlich-erhaben, halb thierisch-niedrig. Zn er-
ster Beziehung ist Eilen ein Inbegriff philosophischer Weltansicht
über göttliche und menschliche Dinge. Besser nicht geboren
zu werden; besser früh sterben! Das sind seine Philosophe-
men. Er blickt vorwärts und rückwärts. Die Gabe der
Weissagung ist ihm eigen. Durch allerlei Spiele entwildert er
den rohen Sinn der Sterblichen, er selbst, was auch von
seinem Grabmale gefabelt werden mag, ein Unsterblichem
Sokrates ist in spater Zeit sein Conterfei in Gestalt und
ironischer Belehrung der Zeitgenossen. Das ist die edle,
humane Seite des Mythos, welcher Creuzer in einer eben
so gelehrten, als scharfsinnigen Abhandlung in den Stu-
dien schon vor 26 Jahren eine erschöpfende Entwicklung
angedeihen ließ. Allein so wie er von Phrygien und Lydien
her, woher die orgiastische Dionysosfeier, nach Thrazien und

24) Ein dadurch reranlaßtes Paramythion nebst 3 Sonetts,
die beim Anblick dieser Lampe entständen, find in der Zeitung
für die elegante Welt auf 1824. in n. 79, 32. und 8». einge-
rückt worden. Sie hier wieder abdrucken zu lasten, schien dem
Ernste dieser Sammlung nicht angemesten.
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