Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 184
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über die Inseln nach Böotien kommt/ ist auch der zweiten Darr
stellung/ der Trink-und Genußlust, die erste Anregung gegeben.
Als Pädagog (er war ja im Sinne der eingebornen Griechen
ein Barbar) des Bacchus auf dem fabelhaften/ vorasiati-
schen Nysa/ als Feldherr bei seinem Zug nach Indien
(eigentlich umgekehrt von Indien her/ von Hinterasien nach
Vorderasien und Kleinasien) tritt er zuerst auf und dieß
wird der Vereinigungspunkt beider Vorstellungen. Nun
giebt es in der Dichtung sowohl, als in der bildenden Kunst
keine Lächerlichkeit/ kein Muthwille/ der nicht mit dem
alten Trunkenbolde getrieben würde. Die Methe (die Nym-
phe des Weinrausches) schenkt ihm nicht blos in jener
Gruppe/ die Pausanias in der Silenuskapelle zu Elis sah
(VI, 24), sondern auf jedem Bacchanal wenigstens in so
fern ein/ als man die Wirkung dieser ungemessenen Spende
in den possirlichsten Stellungen des Taumelnden mit und
ohne seinen Esel in einer langen Reihe noch vorhandener
Kunstwerke sehen kann.

Das alles ist jetzt so bekannt/ daß langer dabei zu ver-
weilen nichts anderes hieße/ als den Hylas noch einmal zu
rufen. Zwei Punkte sind indeß noch immer nicht zu vol-
lendeter Klarheit gebracht. Der eine ist selbst von dem alles
umfassenden Creuzer in der neuen Ausgabe seiner Symbolik/
wo bei mehreren Veranlassungen der mystisch-allegorische
Kern der Silenusfabel mit den ganzen Wanderungen des
Bacchusdienstes und seiner orgiastischen und eleusischen
Weihe aus Asien vielfach erwogen worden ist, noch nicht
ganz aufgehellet und erläutert worden, nämlich, ob in dem
asiatisch - phrygischen Silenus- und Marsyasmythus auch
schon ein Keim von der lächerlichen Darstellung, wie sie
der lebenslustige Hellene aufgriff, sicher nachzuweisen ist,
wobei die Zeit genau angegeben werden müßte, wo die
alten Dithyrambensänger und Lyriker überhaupt den Eilen
zu einer scherzhaften Maske umbildeten. Denn einen Hym-
nus des falschen Orpheus oder die unkritischen Collectaneen
in Plutarchs Buch von der Musik wird uns freilich niemand
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