Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 197
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b.

Auszug

aus dem Briefe des H. Prof. Lichten stein.

Berlin den 16. März I824.

Indem ich Ihnen gern schreiben möchte, was ich da Alles
gefunden, erschrecke ich vor dem Papier, was das kosten
wird und beklage, nicht mit meinen Bildern in der Hand
vor Ihnen stehn und Ihnen meine Vermuthungen vorlegen
zu können. Doch muß Einiges davon heraus: der Oryx
ist ursprünglich zweihörnig, obgleich es einhörnige geben
kann, (vergl. Pallas Spicil. zool. XII. p. 35. v. 63.
und I. p. 16. auch meine Vorlesung über die Antilopen
im Magazin der Gesellschaft naturforschen-
der Freunde VI, 157.) so gut wie es ausnahmweise
drei und vierhörnige gegeben haben mag (Plin. lib. VIII.
c. 21. und Aelian. XV, 14.) Dieser zweihörnige Oryx
ist der, den Oppian (Cyneg. II. v. 446- SCPI-) schön
und unfern Exemplaren ganz entsprechend geschildert hat.
Aber das ist ein großes kräftiges Thier, wie der Hirsch,
mit langen spitzen, nach hinten bogenförmig gekrümmten
Hörnern. Was der Horus aber dort opfert, ist höchstens
wie eine Ziege und hat ganz gerade Hörner, die nicht län-
ger sind als der Kopf. Lesen Sie, ich bitte, nur unbe-
fangen die Stelle aus dem Paul Lucas, die Iablonsky als
so beweisend für den Oryx anführt, ob sie nun nicht dage-
gen streitet. — Das Thier, was da auf dem Altar liegt,
ist nämlich eben nichts anderes als mein Subulo, nach
welchem ich so vergeblich bei den Alten suche. Sie können
denken, welch ein Fund, da ich bis jetzt auf allen den
ägyptischen Bildern, von Antilopen nur die Dorcas Strepsi-
ceros und eine noch zweifelhafte abgebildet gefunden habe.
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