Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 198
DOI Heft: 10.11588/diglit.9753.15
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9753.18
DOI Seite: 10.11588/diglit.9753#0254
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1825/0254
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
198

Jetzt wird mir die ganze Sache erst recht werth und anzie-
hend. — Vom Oryx ist keine Spur auf allen alten Bildern
(i2 der schönsten bemalten Papyrusrollen aus der Minuto-
lifchen Sammlung liegen aufgerollt vor mir, mit den ge-
treuesten farbigen Bildern der Dorcas in ziemlich großem
Maaßstab, aber nichts vom Oryx darin.) Wie käme er auch
hieher, er ist ein unreines, unheiliges Thier (Aelian. X.
28. Horapoll. Hierogi. I. cap. 46. und 49. — auch
Pallas Spicil. zool. XII. p. 61.) Vor allen andern wichtig
ist mir nun aber, eben in Beziehung auf die alten Bilder,
unser Exemplar des Strepsiceros oder (wie ich es nun, da
der südafricanifche Kudu schon einmal den Namen davon
getragen, nennen muß:) des Addax. Die Hörner des
Pan-inendes, die sogenannten Bockshörner, die sich an
den Götter und Priestergestalten so häufig zu den Widder-
hörnern gesellen, mit denen auch der Apis so oft geziert
wird, sind nichts als Ztrepsieeros-Hörner. Sie sind
wirklich überall gedreht, nie bloß geschweift wie Bockshör-
ner, und unser Ziegenbock ist schwerlich je in Africa zu
Hause, viel weniger heilig gewesen. Die dortige Ziegen-
race ist ohne große Hörner, sehr ausgezeichnet durch den
zusammengedrückten sehr bogigen Nasenrücken, durch lange
herabhangende Ohren (die capra membrica der Systeme,
die unser König jetzt lebendig in seiner Menagerie auf der
Pfauen - Insel besitzt.) Sie kommt nie in den Hieroglyphen
oder auf den Bildern vor. Dagegen kommen Darstellungen
des Apis vor, die dem Addax nach seinem ganzen Bau
auch viel ähnlicher sehn, als dem Stier. Wie man dem
Ammon die (sogenannten) Bockshörner in Beziehung auf
seine Verwandtschaft mit Mendes oder seine Stellvertretung
für denselben, beilegte, wie man dem Horus unter andern
Beziehungen den Falkenkopf gab, wie der Falk selbst zuweilen
mit dem Menschenkopf erscheint: so hat man meines Bedün-
kens auch den Apis zuweilen nicht bloß nach den Hörnern,
sondern auch nach den Füßen und der Statur mit dem
Addax verschmolzen, wozu noch kommt, daß der Addax
wirklich im Kopf etwas Rinderartiges hat. Im griechischen
loading ...