Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 208
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nackt. Sie sollen bloß zur Erklärung der auf den vor-
hergehenden Tafeln befindlichen Bilder des Merkurius
dienen.

Taf. CXXXVIII. Der Schlaf, (Sonno) eigentlich
Gott der Traume, ungefähr anderthalb Fuß hohe Bronze.
Als Knabe oder zarter Jüngling in eilendem Gange dar-
gestellt; nackt mit kleinen Flügeln an der Stirn, in der
hocherhobenen Rechten halt er ein Trinkhorn, aus dem er
schlafbringende Flüßigkeit gießt; in der andern niederge-
haltenen Hand liegt ein Stäbchen, wahrscheinlich Ueberrest
eines abgebrochenen und verlorengegangenen Mohnstengels.
Die Arbeit an diesem Denkmal hat viel Verdienst.

Taf. CXXXIX. und CXL. Zwei Ansichten einer bron-
zenen Gruppe von zwei Figuren, beinahe so groß wie
der auf vorerwähnter Tafel abgebildete Traumgott. —
Ein kräftiger heldenmäßiger Jüngling, stehend und nackt
gebildet, ihm zieht sich das Fell eines Widders von der
rechten Schulter über den Rücken, und ist um seine linke
in die Seite gesetzte Hand gewickelt, Haupt und Blick
richtet er empor nach einem geflügelten Knaben, welcher
ihm auf der Schulter knieet und mit hoch aufgehobener
Rechten aus einem Krügelchen Flüßigkeit in den Mund
zu träufeln scheint. Eine hohe Mütze oder vielmehr Helm,
welcher in einen Gänfehals und Kopf endigt, bedeckt des
Knaben Haupt. Dieses seltene Monument, um dessen
Auslegung früher schon Buonarroti, G o r i und L a n z i
sich Mühe gegeben, wird vom gegenwärtigen Erklärer
übereinstimmend mit Gori und Lanzi für die Apotheose
des Bacchus gehalten; der stehende Jüngling soll demnach
Bacchus seyn und der geflügelte Knabe mit dem sonder-
baren Helm, Merkur, welcher ihm Ambrosia einzuträufeln
bemüht sei. In Beziehung auf die Kunst, womit dieses
Denkmal ausgeführt ist, wird bemerkt: dasselbe sei von
Meisterhand in einer freien Manier gearbeitet und mit
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