Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 218
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zu umfassen scheint. Auf dem Aeußern des Deckels, außer
dem geschnitzten Gesicht und den kreuzweise über die Brust
gelegten Armen mit hervorragenden ganz unbeschädigten
Händen und ihren Fingern, ganz mit gemalten mannichfal-
Ligen hieroglyphischen Vorstellungen, mehrere von ihnen
selbst stark erhoben, aus dickem, teigartigen, blauen Far-
benstoffe gearbeitet, bedeckt. Alles davon, bis auf eine
Stelle am Kopfende des Bodens, von außerordentlicher Er-
haltung. — Dieser kleinere Kasten liegt wiederum in einem
6 Fuß 6 Zoll langen größeren, auf ähnliche Weise von
Außen und Innen bemalten und lackirten, eingeschlossen. Die
inneren Flächen dieses Kastens haben eine rothe Grundfarbe
und sind mit großen gelben, lackirten, hieroglyphischen Bil-
dern bemalt. Auf dem Boden das große Bild des geflü-
gelten Osiris, aber in seinem Säulengrabe, aus dessen
Kapitäl die Augen des Gottes, wie durch eine Maske,
schimmern. Die ausgebreiteten Flügel und die Hände ragen
daraus, letztere mit den gewöhnlichen Attributen, hervor.
Die Füße sind unsichtbar, in dem Säulenschafte versteckt.
Dieser Kasten ist noch vollkommener als der innere, erhal-
ten. Das Ganze bildet ein Kunstwerk von bewunderns-
würdiger Frische und Schönheit und durch den großen Reich-
thum und die Mannichfaltigkeit der darauf befindlichen
Malereien und der Eigenthümlichkeit und Seltenheit vieler
Vorstellungen, gewiß eins der kostbarsten Denkmäler des ägyp-
tischen Alterthums. Die Mumie wurde bey Theben gefun-
den und ist ein köstliches Geschenk des Herrn Grafen Ja-
mes von P o u r t a l e s, aus N e u ch a t e l, jetzt in Pa-
ris, der sie von dort im Jahre 1323 nach Berlin sandte.

Nro. 2. Eine große Mumie in drei Kasten; die bei-
den innern von gewöhnlicher Form, der dritte äußere läng-
lich viereckig, hoch, mit hervorragenden Eckpfosten und
gewölbtem Deckel. Alle drei Kasten mit Hieroglyphen be-
malt; die äußern überdieß an den Seitenwänden mit flach
erhobenen, grau bemalten, hölzernen Idolen reliefartig ver-
ziert; die Umfassungs-Ränder und die Eckpfosten mit ver-
tieft eingeschnittenen Hieroglyphen. Die Mumie selbst im
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