Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 245
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Arme hebt fle ein weites Qbergewand auf, das seegelförmig
zurückfliegt. Bei einem Knaben Herakles ist das
muntere, lächelnde Gesichtchen mit der Löwenhaut und Keule,
die er schon in der Rechten tragt, in einen interessanten
Contrast gestellt. Eine Gruppe von Amor und Psyche,
die ebenfalls einer Nachgrabung Gavin Hamilton's in der
Pantanella verdankt wird, ist von sehr geringem Kunstwerth,
aber des Dargestellten wegen interessant. Psyche halt in
der Rechten eine kleine Fackel, in der Linken einen Schmet-
terling, den sie daran versengt hat; Amor lehnt sich über
ihre linke Schulter und betrachtet aufmerksam das sich krüm-
mende Insekt. Die Figuren sind in Lebensgröße, sie sollen
als Knabe und Mädchen erscheinen, aber die Gesichter sind
ältlich und die Körper ohne das Gepräge der Jugend.
Schwerlich ist diese Gruppe vor dem dritten Jahrhundert
n. Ehr. gearbeitet. Neu ist daran nur Amors linker Arm
und die Beine von den Knieen ab, an der Psyche ist ziem-
lich Alles antik. Die colossale Artemis im Vorsaal hat
ziemlich die Stellung der Versailler; sie ist ohne sorgsame
Ausführung des Einzelnen für den allgemeinen Effekt gear-
beitet; Manches daran ist trefflich, wie die Falten, die
der hochgeschürzte Iagdchiton um den die Hüften umge-
benden Gurt wirft. Ergänzt sind die Beine vom Knie ab,
und größtentheils auch die Arme. Unter den Büsten ver-
dienen mehrere von colossaler Größe aufmerksame Beachtung.
Ein Zeuskopf von erhabenem Charakter und gutem Style
zeichnet sich dadurch aus, daß die Haare vom Mittel der
Stirn sich ungewöhnlich hoch emporbäumen, um dann in
desto länger» und fließender» Wellen nach beiden Seiten
herabzufallen. Eine Büste der Pallas stimmt mit der
Albanischen ziemlich überein. Ein Kopf in sogenannter
heroischer Größe, in der Bibliothek aufgestellt, gehört einem
Antinous-Bacchus an; er ist Nr. 13. bei Dallaway
und heißt dort: tete d’Antinous deifie, comme Osiris,
trouvee ä la Pantanella. Die großartigen, idealen Züge
des Gesichts geben ihm eine ausgezeichnete Stelle in der
Reihe der Antinousbildungen; die Haare liegen in langen
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