Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 252
DOI Heft: 10.11588/diglit.9753.20
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9753.22
DOI Seite: 10.11588/diglit.9753#0308
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1825/0308
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
252

besonders schön sind die runden und bauschigen Falten,
die das um die Hüfte gezogne und vom linken Ellenbogen
und Arme gehaltne Obergewand da bildet, wo es festge-
halten wird. Der rechte Arm lag an einem Scepter, die
Stellung der Figur im Ganzen ist der im Pio - Clemen-
tinum Tb. 2. ziemlich ähnlich. Der Apollon M u sa-
ge Le s, etwas unter Lebensgröße, ist zwar in den Spe-
cimens PI. 62. abgebildet, aber wie der Text eingesteht,
nicht eben treu. Wir fügen zu Payne-Kliight's Berich-
tigungen noch hinzu, daß der Ausdruck des Gesichts ein
ganz andrer ist im Original als im Kupferstich, indem
dieser Apollon weder unbefangne Heiterkeit noch auch die
rauschende Begeisterung, wie andre Musagetenbilder, son-
dern tiefes Nachsinnen und ernste Ueberlegung in Blick
und Miene trägt. Auch ist der Abbildung nicht anzusehn,
daß der jugendlich und rundlich geformte Kopf etwas nach
der linken Schulter geneigt ist. Der Draperie, die dieser
Statue ebenfalls eigenthümlich und von der andrer Mufa-
geten wesentlich verschieden ist, gebührt das größte Lob;
die Zwifchenfalten, die sich in den Tiefen des großen
schwer herabfallenden Gewandes bilden, sind aufs zarteste
und schönste ausgeführt. Der junge Satyr, der am
Tronk die Inschrift: ’ AiroXhuoviog hnoki tragt, ist von
vorzüglicher Schönheit. Die Umrisse des Körpers haben
etwas ungemein Leichtes, Fließendes und Edles, und den
Satyr erkennt man fast nur an dem thierischen Schweife.
Die schönen Beine sind glücklicherweise ganz erhalten; die
übrigen Ergänzungen zeigt Dallaway an. Dieser Eompi-
lator von Catalogen nennt eine andre colossale Statue
Apollon oder Trophonios, von der ich überzeugt bin, daß
sie nur einen Bacchus darstellen kann. Der Gott lehnt
sich in einer bequemen und weichen Stellung auf einen
Baumstamm zur Rechten, auf Dom eine Chlamys mit
einem runden Knopfe liegt, und um den sich eine Schlange
windet. Die rechte Hand hebt er gegen den Kopf, die
linke läßt er läßig an der Hüfte herabfgllen. Der Körper
hat, jene Richtung nach der Seite ausgenommen, eine
loading ...